Die Zahl der Kinder mit einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung aufgrund eines unentdeckten Diabetes ist während des pandemiebedingten Lockdowns im Frühjahr 2020 stark angestiegen.

Dies belegt eine Studie, die im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde. Die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) haben deshalb eine gemeinsame Aufklärungskampagne zur Früherkennung eines Typ-1-Diabetes im Kindesalter auf den Weg gebracht.

Warnzeichen für eine Diabeteserkrankung sind ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und andauernde Müdigkeit. Über diese wichtigen Hinweise auf Diabetes sollen Pädiater die Eltern bei den U6 und U7a-Vorsorgeuntersuchungen informieren und sensibilisieren. Bleibt der Diabetes unentdeckt und deshalb unbehandelt, droht vermehrt die Gefahr einer diabetischen Ketoazidose (DKA). Ein Grund für die stark gestiegenen DKA-Zahlen während der Pandemie könnte die Angst der Eltern vor Ansteckung mit dem Corona-Virus in einer Kinder- und Jugendarzt-Praxis sein.

Wird aber ein Typ-1-Diabetes bei einem Kind nicht rechtzeig erkannt, steigt das Risiko einer Stoffwechselentgleisung, die auch als Spätfolge zu Einschränkungen der kognitiven Leistungen führen kann. Im weiteren Verlauf einer diabetischen Ketoazidose kann es zu einem diabetischen Koma kommen. Daher gehören betroffene Kinder sofort in notärztliche Behandlung. Außerdem zeigen Studien, dass eine schwere Ketoazidose mit einer schlechteren Stoffwechseleinstellung im Langzeitverlauf assoziiert ist, unabhängig vom sozialen Status.


ras/KMS