Hat sich der Drogenmarkt für Jugendliche und junge Menschen durch die COVID-19-Pandemie verändert?

Nach den neuen Daten, die aus dem Jahresbericht 2020 der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMMCDDA) in Lissabon hervorgeht, ist dies eindeutig der Fall. Denn die EU-Experten beobachteten zunehmend, dass „organisierte kriminelle Gruppen ihr Vorgehen rasch auf die neue Situation angepasst haben, vor allem auf der Ebene des Einzelhandels“.

Der Straßenverkauf sei durch die Ausgangsbeschränkungen als Folge der Corona-Pandemie schwierig geworden. Deshalb hätten sich Konsumenten und Händler auf Onlinedienste wie Social-Media-Plattformen und Paket- und Heimliefer-Dienste umgestellt.

Als wichtigste Umschlagbasis stellte sich dabei das Darknet heraus. Zugleich gingen die Lieferungen der illegalen Drogen über den Luftweg zurück. Dafür hätten die Händler große Mengen ihrer Waren wie Kokain, Cannabisharz oder auch Heroin auf dem Seeweg nach Europa gebracht. Dies habe zur Folge, dass die organisierte Kriminalität „die Lieferketten, Schifffahrtswege und große Häfen infiltriert haben“ und die Gefahr drohe, dass diese Stellen zunehmen mit illegalen Drogen überschwemmt würden.

Erschwerte Betreuung von Abhängigen

Die Betreuung von Abhängigen sei zudem schwieriger geworden, weil zahlreiche Drogeneinrichtungen zu Beginn des Lockdowns Ihre Tore dich machen mussten und erst allmählich auf digitale Beratungsangebote (Telemedizin) umstellen konnten.

Der Direktor der EU-Drogenbehörde EMMCDDA, Alexis Goosdeel sieht diesen Wandel mit Sorge: „Wenngleich die Langzeitfolgen der Pandemie noch nicht bewertet werden können, sind schon jetzt kurzfristige Änderungen zu beobachten, etwa das gestiegene Interesse an der Verwendung digitaler Drogenmärkte sowie Innovationen bei der Behandlung von Drogenkonsumierenden mit Hilfe von Computer- und Smartphone-Lösungen.“ Zugleich warnte er davor, dass „einige der betroffenen Gruppen im Zug der wirtschaftlichen Folgen der Krise anfälliger für Drogen werden könnten.

Wachsende Zahlen bei allen Rauschmitteln – das ist ein Trend, der sich quer durch alle Bereiche zieht: Psychoaktive Drogen seien ohnehin auf dem Vormarsch. Am Jahresende 2019 überwachte die EU-Agentur rund 790 psychoaktive Substanzen, von denen allein 59 erstmals auf dem Gebiet der Union festgestellt wurden.


EMMCDDA / ras