Können spezielle Computerspiele die Aufmerksamkeit von Kindern mit ADHS bereits nach vier Wochen verbessern?

Wenn man den Ergebnissen einer US-Studie Glauben schenken kann, ist das eindeutig der Fall. Denn Kinder aus der Projektgruppe im mittleren Alter von zehn Jahren schnitten damit besser ab als eine aktive Kontrollgruppe.

Eine digitale Therapie könnte daher für Kinder, die ansonsten überhaupt keine spezifische ADHS-Behandlung erhalten oder die sich nur ungern mit Stimulanzien behandeln lassen wollen, ein niederschwelliges Angebot darstellen.

Psychiater um Professor Scott Kollins von der Duke University in Durham, USA, haben ein solches „digitales Therapeutikum“ nun bei ADHS-kranken Kindern getestet. Mit einer speziellen Computerspieltherapie konnten sie tatsächlich die Aufmerksamkeit signifikant steigern. Auf die Alltagsfunktionen hatten diese Interventionen allerdings keinen wesentlichen Einfluss.

Wie läuft das Ganze ab? Bei einer Aufgabe müssen die Patienten einen bestimmten Stimulus erkennen und dürfen sich nicht von einem anderen ablenken lassen, bei einer anderen wird Multitasking trainiert: Die Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit auf mehrere parallel laufende Ereignisse zu richten. Das Spiel wird individuell auf die Fähigkeiten der Kinder zugeschnitten, sie können sich – wie bei Computerspielen üblich - über mehrere Level hocharbeiten.

Für ihre Studie mit der Bezeichnung STARS-ADHD (Software Treatment for Actively Reducing Severity of ADHD) wählten die Psychiater knapp 350 Kinder mit ADHS aus. Alle bekamen ein iPad, bei der Hälfte war AKL-T01 installiert, die andere Hälfte (Kontrollgruppe) erhielt ein Spiel, das nicht spezifisch die Aufmerksamkeit trainierte.

Als primären Endpunkt wurden Veränderungen nach dem TOVA-API-Score (Test of Variables of Attention – Attention Performance Index) erfasst. Dieser misst die alters- und geschlechtsnormierte Aufmerksamkeit sowie die inhibitorische Kontrolle. Zu Beginn hatten die Patienten in beiden Gruppen einen TOVA-API-Score von etwa –5 Punkten, dieser verbesserte sich mit AKL-T01 im Schnitt um 0,93 Punkte, in der Kontrollgruppe lediglich um 0,03 Punkte. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war jedoch hochsignifikant, ebenso der zwischen Therapiebeginn und Therapieende in der Gruppe mit AKL-T01, nicht aber in der Kontrollgruppe.

Bei den sekundären Endpunkten (dem klinischen Gesamteindruck und den krankheitsbedingten funktionellen Einschränkungen) zeigten sich hingegen keine Unterschiede. Unerwünschte Wirkungen – hauptsächlich Frustration und Kopfschmerzen – traten bei 7% mit AKL-T01 und 2% in der Kontrollgruppe auf.

Ob die Verbesserung der Aufmerksamkeit auch nach dem Ende der Behandlung anhält, wurde allerdings leider nicht evaluiert.


ras