Etwa 20 % der 11- bis 13-Jährigen leiden bereits unter chronischen Rückenschmerzen. Als chronisch gelten die Schmerzen dann, wenn sie insgesamt mehr als 3 Monate im Jahr andauern. Bei 14- bis 17-Jährigen steigt die Prävalenz sogar auf bis zu 40 %. Worauf müssen Kinder- und Jugendärzte dabei besonders achten?
Antworten darauf hat Micha Langendörfer von der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin auf dem diesjährigen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin geliefert. Zunächst wies er dabei darauf hin, dass bei anhaltenden Beschwerden stets entzündliche, infektiöse oder neoplastische Prozesse differenzialdiagnostisch betrachtet werden müssen. Dies gilt insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren, da in dieser Altersgruppe nur selten psychogene Ursachen in Frage kommen. Kinder- und Jugendärzte sollten – inklusive Bildgebung – dann genau hinschauen, wenn folgende „Red Flags” in Gestalt entzündlicher oder neoplastischer Prozesse vorliegen:
- nächtliche Schmerzen bei gleichzeitigem Auftreten von Fieber
- Gewichtsverlust
- unspezifische Begleitsymptome wie Bauchschmerzen oder motorische Störungen
- projizierte Schmerzen, die durch viszerale Ursachen entstehen (etwa bei einer Nieren- oder Ureterabgangsstenose) und auch in den Rücken übergehen können.
Unterschätzt werden laut Langendörfer häufig auch die Folgen von exzessiven sportlichen Aktivitäten 14- bis 17-Jähriger. Schon ein Trainingsumfang von mehr als 6 Stunden pro Woche – in dieser Altersgruppe keine Seltenheit – erhöht das relative Risiko für die Rückenschmerz-Prävalenz um 35 bis 45 %. Doch räumte der Rückenspezialist am Ende auch mit einem gängigen Vorurteil auf: Der schwere Schulranzen kann nicht mehr als Hauptursache für chronische Rückenschmerzen herhalten.
Raimund Schmid
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (1) Seite 11
