Schlechte kardiovaskuläre Risikofaktoren in der Kindheit oder Jugend ziehen nicht nur mehr kognitive Einschränkungen im Alter nach sich, sondern wirken sich auch bereits in der Adoleszenz aus. Dies ist das Ergebnis einer breit angelegten finnischen Kohortenstudie.
Je stärker bereits im frühen Alter das Risikoprofil aus Adipositas, Hypercholesterinämie oder Diabetes ausgeprägt ist, desto stärker beeinträchtigen diese Krankheiten auch bereits den kognitiven Aufbau in der Kindheit und Jugend. Das geht aus den Ergebnissen der prospektiven Interventionsstudie „Special Turku Coronary Risk Factor Intervention Project“ (STRIP) hervor, die von der Universität in Turku (Finnland) ausgewertet worden ist (doi: 10.1542/peds.2025-071353).
Dabei wurden über 1000 Säuglinge im Alter von sieben Monaten in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe profitierte von einer regelmäßigen Ernährungsberatung der Eltern mit dem Fokus hin zu einer herzgesunden Diät bis zum Alter von 20 Jahren. Die andere Gruppe wurde von einer solchen Beratung explizit ausgenommen.
Offenbar zeigte die Begleitung der Eltern und der jungen Menschen über eine so lange Zeit Wirkung. Denn tatsächlich hatte die Gruppe mit Ernährungsberatung im jungen Erwachsenenalter im Vergleich zur Kontrollgruppe
- ein besseres Lipidprofil
- etwas niedrigere Blutdruckwerte und
- eine – hochsignifikante – nur rund halb so hohe Prävalenz eines metabolischen Syndroms (7,5 % statt 14 %).
Die Testpersonen aus der Kontrollgruppe wiesen damit auch einen höheren Body-Mass-Index (BMI), ein erhöhtes LDL-Cholesterin und einen größeren Taillenumfang auf. Das wiederum zog bereits in der späten Kindheit und frühen Adoleszenz eine reduzierte kognitive Flexibilität und eine schlechtere Informationsverarbeitung nach sich. Das erhöhte LDL-Cholesterin hatte negative Folgen für das Lernen und das verbale Gedächtnis. Auch niedrige HDL-Werte in der späten Kindheit und Adoleszenz zeigten ihre Wirkung hin zu schlechteren kognitiven Fähigkeiten.
Erstaunliches Fazit
Schon ein leicht erhöhtes kardiovaskuläres Risiko im Kindes- und Jugendalter hat offenbar spürbare Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten im jungen Erwachsenenalter. Eine konsequente Prävention kardiovaskulärer Risiken sollte daher bereits bei Minderjährigen so früh wie möglich ansetzen, um nicht nur die Herzgesundheit, sondern auch die die kognitive Entwicklung zu fördern oder zu stabilisieren.
Raimund Schmid
