Neben der postnatalen Immunisierung mit monoklonalen Anti­körpern kann eine maternale Immunisierung mit prefusionsstabilisierten F-(RSVpreF-)Impfstoffen während der Schwangerschaft eingesetzt werden, um junge Säuglinge vor schweren RSV-Infektionen zu schützen.

In einer kürzlich publizierten Studie aus Frankreich wurden Säuglinge von Müttern, die während der Schwangerschaft mit RSVpreF geimpft wurden, im Verhältnis 1:1 mit nichtimmunisierten Säuglingen „gematcht“.

Der Untersuchungszeitraum befand sich zwischen dem 31.12.2024 und dem 28.02.2025. In diese französische Kohortenstudie wurden 31.356 Säuglinge (15.678 je Gruppe) mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 86 Tagen (73–101) eingeschlossen. Insgesamt traten 693 Hospitalisierungen wegen einer RSV-assoziierten Infektion der unteren Atemwege auf. 216 (1,4 %) der hospitalisierten Säuglinge erhielten eine maternale Immunisierung, 477 Säuglinge (3 %) mit tiefer Atemwegsinfektion durch RSV wurden von Müttern entbunden, die nicht RSV-immunisiert worden sind. Hieraus ergibt sich eine Hazard Ratio (HR) von 0,5 (95 %-KI: 0,45–0,55), entsprechend einer Wirksamkeit von 50 % (95 %-KI: 45–55 %) und einer absoluten Risikoreduktion von 1,7 Fällen pro 100. Mit Blick auf eine stationäre Intensivtherapie betrug die Wirksamkeit 51 % (95 %-KI: 43–57 %). Die Wirksamkeit bzgl. der Endpunkte Sauerstofftherapie war 54 % (95 %-KI: 46–60 %) und Beatmungsnotwendigkeit 53 % (95 %-KI: 45–59 %). Todesfälle wurden nicht registriert.

Der Schutz war in den ersten zwei Wochen nach der Geburt am höchsten (66 % (95 %-KI: 58–73 %)) und nahm in den Tagen 61–75 auf 38 % ab (95 %-KI: 19–52 %). Einen Einfluss auf die Wirksamkeit hatte auch das Intervall zwischen Impfung und Entbindung. Die Wirksamkeit betrug 45 % bei 14 bis 29 Tagen zwischen Impfung und Entbindung und 58 %, wenn ≥ 60 Tage dazwischen lagen.

Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass eine mütterliche RSVpreF-Immunisierung mit einer Reduktion RSV-­assoziierter Hospitalisierungen während der ersten RSV-Saison des Lebens verbunden war. Sie merken an, dass „Verständnis von Dauerhaftigkeit und Zeitpunkt des Schutzes wesentlich ist, um Implementierungsstrategien zu optimieren“.

Kommentar:
Der o. g. Schlussfolgerung ist nichts hinzuzufügen. Sowohl die maternale Immunisierung gegen RSV-Infektionen als auch die postnatale Antikörperimmunisierung sind geeignet, tiefe Atemwegsinfektionen bei jungen Säuglingen zu verhindern. Konzeptionelle, strategische und systematische Fragen spielen hierbei eine besondere Rolle.

Literatur
Vassiliadou GI et al. (2026) Characteristics of Streptococcus pneumoniae colonising Cypriot children during a period of high PCV10 and PCV13 vaccine coverage: serotypes and antimicrobial resistance. BMC Infect Dis. https://doi.org/10.1186/s12879-026-13924-0


Autor
Univ.-Prof. Dr. med. Markus Knuf


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (5) Seite 330