Statt des geplanten Präsenzkongresses für Kinder- und Jugendmedizin fand 2020 aufgrund von COVID-19 ein Online-Update aus Berlin statt. Ein Resümee der Tagungspräsidentin DGSPJ Mona Dreesmann.

Liebe ärztliche Kolleginnen und ärztliche Kollegen,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den SPZ und liebe DGSPJ-Mitglieder,

als Kongresspräsidentin der DGSPJ möchte ich Sie gerne "auf dem Laufenden" halten, was unseren Kongress für Kinder- und Jugendmedizin betrifft. Nachdem wir den Präsenzkongress in diesem Jahr aufgrund von COVID-19 abgesagt und auf Oktober 2021 verschoben haben, trafen die Kongresspräsidenten zusammen mit der Kongressorganisation m:con die Entscheidung, ein Online-Update aus Berlin anzubieten. Dieses fand an den eigentlich geplanten Kongresstagen vom 17. 09. – 19. 09. 2020 statt.

Die Planung und Durchführung dieser Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht spannendes Neuland für uns Organisatoren. Neben den täglich stattfindenden Sessions zu verschiedenen aktuellen Themen der Pädiatrie und auch Sozialpädiatrie war es uns insbesondere wichtig, den Postern und somit den jungen Wissenschaftlern gerecht zu werden. Die digitalen Poster wurden auf einer speziellen Plattform optisch überaus ansprechend dargestellt und konnten von den Teilnehmern neben den Vorträgen jederzeit studiert werden.

Insgesamt hatten sich über 1.800 Teilnehmer angemeldet, viele aus Deutschland, aber zahlreiche Interessierte aus Österreich, der Schweiz, Australien, Neuseeland, Afrika und Südamerika. An einigen Sessions nahmen zeitgleich 700 Personen teil.

Über verschiedene digitale Programme konnten die Teilnehmenden während der Sessions und Vorträge Fragen über Chatfunktionen an die Referenten stellen. In "Meet the expert"-Treffen im Anschluss an eine Session konnte noch im kleineren digitalen Kreis weiter diskutiert werden. Hochkarätige Fachsymposien, die von den pharmakologischen Unternehmen gesponsert wurden, ergänzten das Online-Angebot.

Carina Völlm, Laura Hoffmann, Anna‐Lena Neurath, Olaf Martin, Tim Bärwalde, Astrid Fink, Britta Gebhard erhielten den DGSPJ-Posterpreis 2020. Sie hatten ein Poster mit dem Titel: "Die Auseinandersetzung mit dem theoretischen Konstrukt Partizipation im Rahmen der Entwicklung eines Partizipationsmessinstrumentes für Jugendliche – die Sicht von ExpertInnen, Eltern und Jugendlichen" eingereicht, das von der Jury ausgezeichnet wurde. Das Projekt von Völlm et al. adressiert nach Einschätzung der Jury ein für die Sozialpädiatrie wichtiges und aktuelles Thema der Teilhabeforschung mit einer soliden wissenschaftlichen Methode (qualitativ sozialwissenschaftliches Vorgehen).

Alle Teilnehmer hatten im Anschluss die Möglichkeit, für zwei Monate alle Vorträge und E-Poster auf der Homepage der DGKJ anzuschauen. Ein großartiges Angebot!

Nicht zu vergessen: Unsere digitalen Pausen wurden durch Ouvertüren, gespielt vom Kinderärzteorchester, musikalisch ausgefüllt. So mussten wir auf diesen bei unserem Kongress so wichtigen Programmpunkt nicht in Gänze verzichten.

Hybrid-Veranstaltungen sind zukunftsfähig

Zusammenfassend ist meine persönliche Lernkurve mit der Organisation und Durchführung unseres digitalen Kongresses in diesem Jahr steil angestiegen. Auch, wenn das persönliche Gespräch mit einem Kaffee in der Hand durch digitale Formate meines Erachtens nach nicht zu ersetzen ist, so werden sich aufgrund zahlreicher Vorteile Hybrid-Veranstaltungen (analog und digital) durchsetzen:
  • Eine digitale Teilnahme ist auch für Ärztinnen und Ärzte sowie MitarbeiterInnen aus der Pflege möglich, wenn eine Anreise zum Kongressort nicht gegeben ist (Dienst an den Kongresstagen, Schwangerschaft, Elternzeit, Krankheit, etc.)
  • Eine digitale Teilnahme lohnt sich auch dann, wenn beispielsweise nur ein Tag des Programms spannend erscheint und eine weite Anreise nicht im Verhältnis zum Aufwand steht.
  • Die Poster können digital besser gewürdigt werden. Es erscheint als immenser Vorteil, nach einem Kongress noch Poster in digitaler Form in Ruhe auf dem PC anschauen zu können. Interessante Poster lassen sich runterladen und können so einfacher an Kollegen weitergeleitet werden, die beispielsweise einen Patienten mit demselben Krankheitsbild in der eigenen Klinik behandeln.
  • Wenn Vorträge gefilmt werden und später noch abrufbar sind, sinkt der Stress für die Teilnehmenden, sich bei spannenden Parallelsessions entscheiden zu müssen.
  • Ein Kongress wird durch Teilnehmer aus allen Teilen der Welt internationaler!

Ich wünsche Ihnen im Namen aller Kongresspräsidenten alles Gute und kommen Sie gut durch diesen Winter. Bleiben Sie gesund!

Ich freue mich darauf, Sie im nächsten Jahr in Berlin (6. – 9. 10. 21) auch wieder persönlich begrüßen zu dürfen oder auch darauf, wenn Sie an einem der digitalen Formate unseres Kongresses teilnehmen.

Mona Dreesmann
(Tagungspräsidentin DGSPJ)



Korrespondenzadresse

Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2021; 92 (1) Seite 53