Die Therapie mit einem AID-System (Automatische Insulin-Dosierung) verbessert bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes (T1D) zwar die Therapiequalität und zeigt auch Effekte im Hinblick auf die Psyche der Eltern. Allerdings nicht nur in positiver Weise, weil die Eltern auch einen Teil ihrer Kontrollmöglichkeiten preisgeben müssen.

Diese Ergebnisse präsentierte André Kluge, Klinik der Stadt Köln, beim 60. Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin. Bezogen auf die Altersgruppe der unter Sechsjährigen habe sich in Studien herausgestellt, dass sich mit den AID-Systemen Therapiezufriedenheit und Schlafqualität verbessern, der häufig den Alltag dominierende Diabetes-Distress und die unter Eltern verbreitete Hypo-Angst abnehmen. Dies habe zur Folge, dass sich die innerfamiliären Beziehungen stabilisieren, weil gerade auch die Flexibilität aller Beteiligten ansteigt.

Allerdings müssen mit den digitalisierten Systemen auch eine ganze Reihe – oft unterschätzter – Nachteile in Kauf genommen werden. So wird

  • die Erkrankung durch den Sensor beziehungsweise die Pumpe sichtbarer und damit auch stetig präsenter,
  • die Alltagsaktivität durch den Algorithmus mitunter eingeschränkt,
  • ein bedingungsloses Vertrauen in die Systeme vorausgesetzt, das aber gerade bei den Eltern nicht immer vorhanden ist.

Dies kann zu Kompetenz- und Kontrollverlust führen, was wiederum die Unsicherheit wachsen lässt. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Kinder mit T1D weniger mit den AID-Systemen zufrieden sind als Erwachsene mit T1D. Das könnte nach Ansicht von Kluge damit zusammenhängen, dass Eltern und Kleinkinder sich von Anfang an an die AID-Systeme gewöhnt haben und die Vorteile – mangels Vergleich – gar nicht so zu schätzen wissen, während viele erwachsene Diabetespatienten lange Zeit noch anders behandelt worden sind.

Dabei untermauern jüngste Studienergebnisse aus Kanada erneut, dass eine AID-Therapie, trotz der damit einhergehenden neuen Herausforderungen, die Stoffwechsellage generell und die Blutzuckerkontrolle speziell bei allen betroffenen pädiatrischen Altersgruppen verbessert, ohne dass sich dabei das Komplikationsrisiko erhöhen würde.



Autor:
© Hartmut Kreutz
Raimund Schmid


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (5) Seite 333