Kinder- und Jugendärzte sollten in diesen Wochen Eltern, die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 haben, wieder verstärkt zu Besuchen in ihren Pädiaterpraxen auffordern.

Auf diese dringende Notwendigkeit weist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hin. Viele Kinder hätten in den vergangenen Monaten empfohlene Impfungen versäumt oder hätten selbst mit gravierenden Beschwerden oder auch bei ernsthafteren Erkrankungen von Kindern erst zu spät oder mitunter auch gar nicht einen Kinder- und Jugendarzt aufgesucht. Manche pädiatrische Kollegen berichten sogar von Kindern mit einer akuten Leukämie, die zu spät wieder die pädiatrische Versorgung aufgenommen hätten.

Der BVKJ fürchtet, dass durch versäumte Impfungen künftig Krankheiten wieder auftreten könnten, die vermeintlich längst als zurückgedrängt galten. Deshalb sei es wichtig, insbesondere die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Grundimmunisierungen in den ersten beiden Lebensjahren wieder aufzufrischen, um insbesondere vor Krankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Polio gewappnet zu sein.

Angesichts der derzeit laufenden Bemühungen um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das SARS-CoV-2 gerate all zu leicht in Vergessenheit, dass es weitere und für Kinder sogar viel gefährlichere Krankheiten gibt, für die bereits wirksame Impfstoffe verfügbar sind. Diese Potentiale müssten nun auch tatsächlich genutzt werden, wofür die Pädiater in der Praxis nun aber Eltern intensiv sensibilisieren müssten.


R. Schmid