Christos P. Panteliadis (Hrsg.), 4. Auflage 2025, 474 Seiten. Springer Verlag. ISBN 978-3-031-71570-9 (Hardcover), ISBN 978-3-031-71571-6, (eBook) 139,09 Euro. https://doi.org/10.1007/978-3-031-71571-6

Die 4. Auflage des neuropädiatrischen Fachbuches "Cerebral Palsy: From Childhood to Adulthood" gibt den Leserinnen und Lesern einen umfassenden Überblick über das Thema der Cerebralparese (CP). Der von Christos P. Panteliadis herausgegebene Band vereint dabei Beiträge internationaler Expertinnen und Experten und behandelt in insgesamt 41 Kapiteln alle zentralen Aspekte wie Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Langzeitverlauf der CP.

CP ist ein heterogenes Krankheitsbild, das infolge einer nicht progredienten frühkindlichen Hirnschädigung entsteht und vor allem – neben zahlreichen anderen Systemen – die Motorik betrifft. Nach einem ausführlichen historischen Überblick werden aktuelle Klassifikationen und Themen wie die Epidemiologie, Genetik, Neuroimaging (inkl. MRT, PET, SPECT) sowie zahlreiche Therapieverfahren und der Übergang ins Erwachsenenalter detailliert behandelt.

Trotz der Vielfalt moderner diagnostischer Verfahren, die heute zur Prognoseabschätzung genutzt werden, hebt das Buch den hohen Stellenwert der klinischen (neurologischen) Untersuchung hervor. Zudem wird thematisiert, dass vor dem Hintergrund einer sich stetig verbessernden prä- und perinatalen Diagnostik, beispielsweise durch den Einsatz von Ultraschall- und MRT-Bildgebung, sowie dank einer exzellenten Versorgung von Neugeborenen in vielen Ländern und dem Rückgang von Mehrlingsschwangerschaften, ein abnehmender Trend in der Inzidenz der CP zu erwarten ist.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einem multidisziplinären Ansatz. Die CP wird als komplexe, multifaktorielle Erkrankung mit häufigen Komorbiditäten, wie z. B. der Epilepsie, sowie kognitiven und sensorischen Einschränkungen verstanden. Konsequent werden die medizinischen, therapeutischen und psychosozialen Aspekte integriert, was den aktuellen Stand der Forschung und eine patientenzentrierte Versorgung widerspiegelt.

Die Ätiologie wird ausführlich als Zusammenspiel pränataler, perinataler und postnataler Faktoren beschrieben. Dabei werden genetische Prädispositionen, intrauterine Infektionen und entzündliche Prozesse ebenso berücksichtigt wie die Frühgeburtlichkeit oder hypoxisch-ischämische Schädigungen. Diese umfassende Darstellung unterstreicht somit den Wandel hin zu einem differenzierten und multifaktoriellen Krankheitsverständnis.

In der Diagnostik orientiert sich das Werk an evidenzbasierten Leitlinien und dem aktuellen Forschungsstand und lenkt die Aufmerksamkeit auf standardisierte Instrumente sowie frühe Marker. Die moderne Bildgebung wird dabei als ein zentraler Punkt in der Diagnostik hervorgehoben.

Bei den Therapien werden "klassische" und moderne bzw. die aktuellen Ansätze zum Teil kombiniert dargestellt, darunter z. B. die Physiotherapie und die Ergotherapie sowie pharmakologische und chirurgische Therapieverfahren. Neuere Therapieansätze wie die "Constraint Induced Movement Therapy (CIMT)" und eine multimodale Rehabilitation werden evidenzbasiert eingeordnet und die Bedeutung individualisierter, patientenzentrierter Therapiekonzepte wird dabei stets betont.

Eine Stärke des Buches liegt auch in der differenzierten Betrachtung von Komorbiditäten und deren Einfluss auf die Lebensqualität und Teilhabe der Patientinnen und Patienten unter Einbezug des Modells der "International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)" der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kritisch anzumerken sind die hohe Komplexität und Unterschiede in der Darstellung zwischen den Kapiteln sowie eine teilweise begrenzte kritische Bewertung einzelner Therapien. Insgesamt mindert dies jedoch in keiner Weise die hohe wissenschaftliche Qualität.

Fazit: Das Werk stellt ein hochaktuelles, umfassendes und multidisziplinäres Referenzbuch dar, das insbesondere für ein spezialisiertes Fachpublikum geeignet ist. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Forschung und klinischen Praxis der Cerebralparese.

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Autor:
PD Dr. med. Nikolai H. Jung
TUM School of Medicine and Health, Lehrstuhl für Sozialpädiatrie, Technische Universität München
Abteilung für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen, Universitätsklinikum Freiburg
E-Mail: nikolai.jung@tum.de

Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (5) Seite 380