Heike Drogies, 100 S., zahlreiche Abbildungen, Hardcover, 2017, Gieselmann Druck, Osnabrück. ISBN-13: 978-3946410003; 29,80 Euro zzgl. Versandkosten; zu beziehen über www.lebenskuenstler-verlag.de oder zu bestellen bei heike@drogies.de oder unter Tel.: 05 41/93 38 68 47

Viele Leser dieser Zeitschrift werden ausreichend vertraut sein mit dem, was unter Autismus-Spektrum-Störungen (ASS, im englischsprachigen Schrifttum ASD, Disorder) subsummiert wird. Das gilt nicht für alle (Kinder-)Ärzte und schon gar nicht für die Gesellschaft. Vielfach viel zu spät, oft erst im Erwachsenenalter, erhalten insbesondere die Menschen mit dem Asperger-Syndrom die (mitunter erlösende) Diagnose, die ihnen dann in aller Regel hilft, Kompensationsmechanismen, Bewältigungsstrategien und letztlich eine Akzeptanz zu entwickeln für die Schwierigkeiten, mit denen sie in ihrem Leben zu kämpfen haben.

Das Buch „Aut ist in“ könnte helfen, diese Situation zu verbessern. Klar formulierte, prägnant und kurz gefasste wissenschaftliche Informationen, flüssig lesbar, sowohl für Fachleute wie auch für Laien, begleiten die Beschreibung von etwa 20 Menschen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ASD. Die Kurzbiographien sind faszinierend und berührend, die Fotografien, die die Menschen und ihre jeweilige Umwelt darstellen, sind schön, klar und eindringlich. Die etwa zweistündige Lektüre ist geeignet, deutlicher als das Studium von Lehrbuchwissen Kenntnisse und Verständnis dafür nahezubringen, was die Störung für die Betroffenen bedeutet. Auch dafür, welche Potenziale sie selbst haben und wie die Gesellschaft profitieren kann, wenn sie sich mit den vertieften, in manchen Aspekten allerdings auch eingeengten Welten dieser Menschen beschäftigt. Was ist „normal“, was ist „anders“, unnormal, krank? Das Buch zeigt, wie schillernd, aber auch verschwimmend die Konturen sind.

Läge dieses druck- und satztechnisch bemerkenswert schöne Buch etwa in den Warteräumen von Arztpraxen und Krankenhäusern, und läsen die Ärzte selbst dieses Buch, dann könnte das für manche Betroffenen zu einer früheren und dann hilfreichen Diagnosestellung führen; und es könnte der Gesellschaft die Probleme der Menschen mit ASD näher bringen und den Umgang mit ihnen erleichtern.

Prof. Dr. med. Karl Ernst v. Mühlendahl, Osnabrück


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2017; 88 (5) Seite 345