Der 28. Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit fand unter dem Motto "Unser Gesundheitswesen braucht alle Intelligenz. Jetzt." wieder im Hub 27 der Berliner Messehallen statt. Es war deutlich zu spüren: In diesem herausfordernden Jahr mit neuer Regierung, Wirtschaftsflaute und einem Krieg in Europa braucht das Gesundheitssystem mehr denn je einen besonderen Fokus und unseren Zusammenhalt.
Rund 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen beim Leitkongress der Gesundheitsbranche in Präsenz und vor den Bildschirmen teil. Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Kliniken, Gesundheitswirtschaft, Ärzteschaft, Pflege, der medizinischen Forschung und von Kostenträgern haben sich zu den Herausforderungen im Gesundheitswesen ausgetauscht.
Gesundheitsmanagement und Pflege waren neben dem Hauptstadtforum Gesundheitspolitik wieder gut besuchte Foren. "Ethik und Monetik müssen zusammengehen" war eine der zu hörenden Forderungen.
Gesundheitsministerin Nina Warken, gerade 50 Tage im Amt, ließ es sich trotz Terminknappheit nicht nehmen, zwischen zwei Anhörungen im Bundestag den Hauptstadtkongress zu besuchen und ihre wesentlichsten Vorhaben zu präsentieren (Abb. 1).
Abb. 1: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (2. von links) mit dem Kongresspräsidenten Prof. Karl Max Einhäupl (2. von rechts), dem WISO-Geschäftsführer Guido Pschollkowski und Prof. Thaiss, DGSPJ-Präsidentin und Mitglied des wissenschaftlichen Kongressbeirats im Forum Medizin und Innovationen.
Auf dem Podium beim Forum "Prävention – Quo vadis: Erwartungen an eine zielführende Kommunikation für Prävention und Gesundheitsförderung" war die Pädiatrie am zweiten Tag mit Prof. Berthold Koletzko und Prof. Heidrun Thaiss doppelt vertreten. Mit ihnen diskutierten Dr. Ellis Huber vom Berufsverband der Präventologen und Dr. Christian Lenz von Pfizer Deutschland. Ein eindrucksvolles Plädoyer für die kommunale Prävention im übergreifenden Zusammenspiel aller Akteure hielt Staatssekretärin Ellen Haußdörfer aus der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Pflege (Abb. 2).
Abb. 2: (v. l.) Dr. Christian Lenz, Prof. Berthold Koletzko, Staatssekretärin Ellen Haußdörfer aus der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Pflege, Dr. Ellis Huber, Prof. Heidrun Thaiss.
Präventionsmittel deutlich erhöhen!
Alle Akteure waren sich einig, dass angesichts der demographischen Entwicklung der Paradigmenwechsel von der überbordend finanzierten kurativen Medizin hin zur primären Prävention – sowohl Verhaltens- wie Verhältnisprävention – längst überfällig ist. Er wird nur gelingen, wenn die konstant niedrige Quote der Ausgaben für Prävention und Gesundheitsschutz von 4 % der Gesamtausgaben (aktuell mehr als 500 Milliarden Euro) deutlich erhöht wird. Zugleich muss endlich die oft nicht qualitätsgesicherte, nicht nachhaltige "Projektitis" in eine systemisch implementierte Gesundheitsförderungs- und Präventionsstrategie – umgesetzt in den Lebenswelten – münden. Nur dann kann jenseits von Legislaturperioden der Pandemie der nichtübertragbaren Krankheiten frühzeitig – idealerweise schon mit Beginn der Schwangerschaft in den ersten 1.000 Tagen – vorgebeugt werden.
Interessant am Rande: Erstmals wurden Innovationspreise vergeben. Den ersten Preis bekam die Kinderschutzambulanz der St. Vincenz-Kliniken Paderborn für das Konzept der interdisziplinären Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Missbrauchs- und Gewalterfahrung.
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Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2025; 96 (6) Seite 462
