Auch wenn Kinder Obst und Gemüse nicht besonders mögen, benötigen sie in der Regel bei einer standardmäßigen Mischkost-Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel oder Vitaminpillen. Darüber herrscht bei Fachgesellschaften, Wissenschaftlern und Verbraucherexperten Einigkeit.

Denn nach den Daten aus der Ernährungsstudie EsKiMo II ist die Nährstoffversorgung von Kindern in Deutschland im Allgemeinen gut [1]. Zwar werden häufig bei den Vitaminen und Mineralstoffen Folat, Vitamin D, Eisen, Jod und Kalzium die empfohlenen Mengen nicht vollends erreicht, doch ein Unterschreiten der Referenzwerte gehe auch nicht bei jedem Kind mit einem Mangel einher [2]. Zudem könnte diese Defizite leicht ausgeglichen werden. Milch und Milchprodukte etwa sind eine gute Kalziumquelle, ebenso wie Nüsse, kalziumreiches Mineralwasser oder – die allerdings bei Kindern häufig nicht beliebten – Gemüsesorten Brokkoli und grüne Bohnen. Ein Eisenmangel ist leicht mit Geflügel oder Hülsenfrüchten zu kompensieren.

Die zusätzliche Gabe von Nährstoffen birgt sogar Risiken. So kann ein Übermaß an Vitamin D den Kalziumspiegel erhöhen und zu Nierenschäden führen. Besonders problematisch ist die nicht geregelte Dosierung von Nährstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Bisher sind auf EU-Ebene insbesondere für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren keine einheitlichen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festgesetzt. Die Folge: Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest wurde bei 15 von 18 Produkten die empfohlene Menge an Vitaminen und Mineralstoffen überschritten. Bei einem Drittel davon waren sogar die problematischen Stoffe Vitamin A und Kupfer enthalten [3].

In Ausnahmefällen kann die Supplementierung bestimmter Nährstoffe jedoch auch sinnvoll und notwendig sein. Das betrifft etwa die Zufuhr von Vitamin D und Fluorid bei Säuglingen zur Vorbeugung von Rachitis bzw. Karies oder vegetarische Kost bei Kindern. Hier sollten Pädiater stets auf eine adäquate Eisenzufuhr und Versorgung mit Vitamin B12 (in Milchprodukten) achten. Bei rein veganer Ernährung von Kindern, die Pädiater allerdings ganz generell nicht empfehlen sollten, müssen angereicherte Lebensmittel bzw. weitere Nährstoffpräparate in Gestalt von Vitamin B12, Kalzium, Jod oder auch Eisen eingesetzt werden.


Katharina Maidhof-Schmid und Raimund Schmid

Quellen:
1. Mensink GBM et al. EsKiMo II - Die Ernährungsstudie als KiGGS-Modul. Robert-Koch-Institut. Stand 23.08.2021. DOI: 10.25646/7028.2
2. Bundesinstitut für Risikobewertung. FAQ: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder – (k)eine gute Idee?!. 16.01.2024
3. Stiftung Warentest. Nahrungsergänzungsmittel für Kinder im Test: Mehr als für Ihr Kind gut ist. 26.03.2025