Bei vielen Kindern beginnt die Atopische Dermatitis (AD) im frühen Säuglingsalter, schwächt sich in späteren Jahren oft ab oder verschwindet sogar völlig. Von welchen Faktoren die Remission bestimmt wird, haben Forschende an der Charité in Berlin untersucht.
Für die Studie wurden Daten aus der bevölkerungsbasierten Multicenter Allergy Study (MAS) herangezogen, die im Jahr 1990 Neugeborene aus fünf deutschen Städten rekrutierte. In die Kohortenstudie wurden 1314 Teilnehmer aufgenommen, die in regelmäßigen Abständen untersucht wurden. Die Probe wies eine leichte Anreicherung für das Allergierisiko auf, wobei mehr als ein Drittel der Teilnehmer Eltern oder Geschwistern mit Allergien hatten. Die Beurteilung der Teilnehmer erfolgte bis zum Alter von 30 Jahren auf Basis von Fragebögen für Eltern oder Selbstberichten sowie Blut und Hauttests, klinischen Bewertungen und Lungenfunktionsuntersuchungen.
Die Studiengruppe am Berliner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie fokussierte ihre Untersuchungen insbesondere auf den Krankheitsstatus im Erwachsenenalter sowie die Faktoren, die mit einer Remission der AD in Zusammenhang stehen.
Die Auswertung der erhobenen Daten ergab, dass sowohl die AD-Inzidenz als auch die Prävalenz während der ersten fünf Lebensjahre ihren Höhepunkt erreichten, danach wieder sanken und erst nach der frühen Adoleszenz wieder leicht anstiegen. Im Rahmen der Untersuchung konnten vier Remissionsverläufe und entsprechende Phänotypen identifiziert werden. Die Remission manifestiert sich in drei verschiedenen Phänotypen: im frühen Kindesalter und im frühen Schulalter (remittierender Phänotyp), im Jugendalter und partiell im Erwachsenenalter (persistierender Phänotyp). Es konnte beobachtet werden, dass 87 % der Studienteilnehmer, die vor der Einschulung erkrankt waren, eine Remission bis zum vollendeten 30. Lebensjahr erlebten.
Für den Krankheitsverlauf erwies sich das Alter bei Beginn der Erkrankung als entscheidender Faktor. Neben dem Alter spielten weitere Faktoren eine Rolle für das Auftreten einer Remission oder Persistenz der AD. Häufig wurde ein persistierender Phänotyp mit dem weiblichen Geschlecht, einer frühen allergischen Sensibilisierung gegen mindestens ein häufiges Aero- oder Nahrungsmittelallergen, einer allergischen Rhinitis im Alter von drei bis fünf Jahren und Asthma im Alter von sechs Jahren assoziiert.
Auf Basis dieser Erkenntnisse können Risikogruppen mit langwieriger Erkrankung und schlechter Prognose identifiziert werden. In der Folge sei es so möglich, sowohl den Verlauf der AD als auch die damit assoziierten allergischen Komorbiditäten zu modifizieren.
Diese Ergebnisse untermauern die große Bedeutung von frühen Indikatoren für die Entwicklung von AD im Erwachsenenalter. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, Eltern und Angehörigen der Gesundheitsberufe zu unterstützen, den Verlauf der frühkindlichen AD besser zu bewältigen und damit auch die Behandlung gerade derjenigen Personen zu verbessern, die von Persistenz bedroht sind.
Katharina Maidhof-Schmid
