Besteht zwischen ADHS und einer Behandlung mit Methylphenidat im Kindesalter ein Zusammenhang mit einem erhöhten Body-Mass-Index im jungen Erwachsenenalter? Dieser Frage ist ein südkoreanisches Forschungsteam in einer retrospektiven Kohortenstudie mit 12.866 Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren nachgegangen.

Bei Kindern, bei denen bereits vor der Pubertät eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert wird, erfolgt in vielen Fällen eine medikamentöse Behandlung, wobei Methylphenidat (MPH) am häufigsten verwendet wird. Inzwischen weisen einige Studien darauf hin, dass eine frühzeitige Behandlung mit MPH das Größenwachstum und das Körpergewicht beeinflussen könnte.

Dr. Jihun Song vom University College of Medicine in Seoul und seine Arbeitsgruppe nahmen für die Studie zwischen Januar 2008 und Dezember 2013 die Daten von Kindern und Jugendlichen mit neu diagnostiziertem ADHS des Koreanischen Nationalen Krankenversicherungsdienstes auf. Die Kinder waren zwischen 6 und 11 Jahre, die Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahre alt. Zugleich wurden genaue Kontrollen von Kindern und Jugendlichen ohne ADHS einbezogen. Die kumulative Medikamentenexposition der Kinder und Jugendlichen wurde über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht und anschließend wurden von Januar 2018 bis Dezember 2022 ihre Größe und ihr Gewicht im Erwachsenenalter erfasst. Die Datenextraktion und die statistischen Analysen erfolgten von November 2024 bis Mai 2025.

Erhöhter BMI bei ADHS-Diagnose

Die Auswertung der erhobenen Gesundheitsdaten ergab einen deutlich erhöhten Body-Mass-Index (BMI) bei einer präpubertären ADHS-Diagnose im Vergleich zu keiner Diagnose, wobei sich unter MPH eine noch höhere Signifikanz zeigte. Vorliegende Studien legen nahe, dass die Körpergröße von früh auftretendem ADHS nicht beeinflusst wird. Unter MPH hingegen deutet sich gar eine leicht reduzierte Größe im Erwachsenenalter an.

Bei der Gesundheitsuntersuchung im Erwachsenenalter wies die ADHS-Gruppe einen signifikant höheren BMI auf als die Kontrollgruppe (24,3 kg/m² versus 23,3 kg/m²). In Bezug auf männliche Probanden wurde ein Unterschied von 25,2 kg/m² versus 24,3 kg/m² festgestellt – bei einer MPH-Therapie in der Kindheit wurde ein Wert von 25,4 kg/m² erreicht. Dabei gab es Hinweise auf einen Dosiseffekt: Die Auswertung der Daten ergab, dass bei einer Einnahmedauer von mindestens einem Jahr ein BMI von 26 kg/m² erreicht wurde. Wurde die Therapie hingegen über einen Zeitraum von unter einem Jahr durchgeführt, belief sich der BMI auf rund 25 kg/m². Dieser Trend und Dosiseffekt waren auch bei Frauen zu beobachten.

Die Auswertung der gesamten untersuchten Kohorte ergab damit eine erhöhte Prävalenz von Übergewicht und Adipositas. Ohne ADHS wiesen 35 % der Erwachsenen im Untersuchungszeitraum Übergewicht auf, während dieser Anteil bei 43 % ohne MPH, 47 % mit MPH und 51 % nach Langzeittherapie lag. Die Auswertung ergab, dass das Risiko, an Übergewicht und Adipositas zu leiden, sich nach einer MPH-Therapie in der Kindheit um insgesamt 60 % erhöhte. Hinsichtlich der Körpergröße im Erwachsenenalter zeigten sich dagegen keine signifikanten Unterschiede zwischen Personen mit und ohne ADHS in der Kindheit.

Fazit

Kinder und Jugendliche, die an ADHS leiden und dabei insbesondere Methylphenidat im Erwachsenenalter einnehmen, weisen ein höheres Risiko für einen erhöhten BMI und eine geringfügig niedrigere Körpergröße auf. Wachstum und Gewicht bei Minderjährigen mit MPH bedürfen daher nach Ansicht der Studienautoren einer langfristigen Überwachung.


Katharina Maidhof-Schmid

Quelle: Song J et al. ADHD and Methylphenidate Use in Prepubertal Children and BMI and Height at Adulthood. JAMA Netw Open 2026; 9(1):e2552019; https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2025.52019