Die Stiftung Kindergesundheit kritisiert in ihrem jüngsten Kindergesundheitsbericht unter anderem nach wie vor die „finanzielle Benachteiligung der pädiatrischen Versorgung“. Ist diese Kritik angesichts der erfolgten Entbudgetierung in der Pädiatrie zum zweiten Quartal 2023 aber überhaupt Anfang 2026 noch gerechtfertigt?
Die Göttinger Pädiaterin Dr. Tanja Brunnert, Co-Bundespressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzt*innen (BVKJ), kann diese pauschale Feststellung so nicht vollends teilen: „Die Entbudgetierung war ein notwendiges und überfälliges Signal an die Praxisinhaber. Sie bedeutet ja, dass die getätigte Arbeit nun auch bezahlt wird. Sie hat sicherlich dazu geführt, dass insbesondere Großpraxen auch weiterhin viele Patienten versorgen. Eine bessere finanzielle Ausstattung der Praxen durch die Entbudgetierung kann zu einer besseren personellen Ausstattung der Praxen und damit einer besseren Versorgung führen. Davon profitieren auch die Patienten.“
Dennoch bestünden in der Pädiatrie immer noch – wie schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten „strukturelle Hürden, die eine konsequente kindgerechte Versorgung erschweren, sowie ein Finanzierungssystem, das die besonderen Bedarfe junger Patientinnen und Patienten nicht ausreichend berücksichtigt.“ Ein strukturelles Hindernis sei die weiter fehlende Gleichstellung der Pädiatrie mit der Allgemeinmedizin in der ambulanten Weiterbildungsförderung nach Paragraf 75 a SGB V. Hier bestehe auch im Jahr 2026 nach wie vor erheblicher Handlungsbedarf, da die Unterstützung der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte finanziell auch nicht annähernd an die gut ausgestatteten Finanztöpfe der Allgemeinmediziner heranreicht. Auch deshalb würden immer noch zu wenige Kinder- und Jugendärzte im ambulanten Bereich nachrücken. Diese Diskrepanz dürfte aufgrund der Überalterung der Fachgruppe sogar noch zunehmen.
Ein weiteres strukturelles Problem sieht der BVKJ in der unsicheren Medikamentenversorgung für Kinder und Jugendliche. Fehlende Medikamente und Medizinprodukte erschwerten die pädiatrische Versorgung massiv, da die Kinder- und Jugendärzte in der Praxis viel zu viel Zeit opfern müssten, um herauszufinden, welche Arzneimittel verfügbar sind und welche nicht und wie gegebenenfalls alternative medikamentöse Verordnungen aussehen könnten. Brunnert: „Diese Zeit haben wir bei der aktuellen Versorgungslage aber nicht.“
Und schließlich schade es den Eltern und ihren kleinen Patienten, dass es angesichts der ohnehin zu niedrigen Zahl niedergelassener Pädiater immer vielen schwerer fällt, überhaupt noch einen Pädiater zu finden. Während in den meisten städtischen Bereichen Eltern kaum oder gar keine kinder- und jugendärztliche Praxis mehr finden, hätten Praxen in einigen ländlichen Bereichen nur noch ein unzureichendes finanzielles Auskommen, da immer mehr Familien wegziehen.
Fazit
Dringend überfällig ist eine funktionierende Patientensteuerung, damit die Patienten von den Kinder- und Jugendärzten als den Primärärzten für Kinder und Jugendliche besser gesteuert und so die bisherigen Ungleichgewichte zumindest reduziert werden könnten. Diese Primärarztsystem will die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag nun im Jahr 2026 auf den Weg bringen. Damit würde auch das Fach Kinder- und Jugendmedizin enorm aufgewertet, was sich künftig dann aber auch positiv auf die Entwicklung der Weiterbildungsförderung auswirken müsste.
Raimund Schmid
