Bei Kindern von Schwangeren, die an Krebs erkrankten, können teilweise bis zum Alter von sechs Jahren kognitive Entwicklungsverzögerungen festgestellt werden, die aber bis zum Alter von neun Jahren vollständig kompensiert werden können.
Das ist die Kernaussage einer Studie des International Network on Cancer, Infertility, and Pregnancy (INCIP) (Ann Oncol 2025; online 6. Mai). mit 166 Kindern aus Belgien, den USA, den Niederlanden, Tschechien und Italien in der Altersspanne von 12 und 15 Jahren, deren Mütter während der Schwangerschaft an Krebs erkrankt waren. Zwar sind dabei einige wenige Auffälligkeiten wie geringere Gedächtnisleistungen nach Chemotherapie oder Aufmerksamkeitsdefizite bei Frühgeborenen zu Tage getreten. Insgesamt jedoch ergaben sich bei der deutlichen Mehrheit der Kinder keine größeren Abweichungen zur altersgerechten Normgruppe hinsichtlich der kognitiven, kardialen und körperlichen Entwicklung. Die mittleren Werte für IQ, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verhalten lagen allesamt im Normbereich. Zudem traten kaum kardiale Auffälligkeiten auf. Die Ergebnisse im Detail:
- 12 % der Studienteilnehmer hatten einen IQ unter 85. Dieser Wert lag sogar noch unterhalb der Normalverteilung (15 %). Der IQ hing dabei – wenig überraschend - stark vom Bildungsgrad der Eltern ab.
- Bei nicht einem einzigen Kinder konnte eine verminderte Herzmuskelfunktion nachgewiesen werden.
- Bei 7 % der Kinder zeigten sich schwache verbale Gedächtnisleistungen, überdurchschnittlich häufig nach einer Chemotherapie. Bei jedem zehnten Kind ergaben sich zudem unterdurchschnittliche visuell-räumliche Gedächtnisleistungen, die wiederum mit dem frühen mütterlichen Tod assoziiert waren.
Fazit
Diese und auch noch weitere Zusammenhänge waren zwar teilweise signifikant, doch insgesamt eher schwach ausgeprägt und daher letztlich auch klinisch kaum relevant. In der Praxis stellen sie für alle dabei involvierten Ärzte jedoch durchaus einen Erkenntnisgewinn dar.
Raimund Schmid
