Anne-Christin Ermisch, 144 Seiten, gebunden. 2014, Edition winterwork. ISBN 978-3-86468-816-4; 22,90 Euro

Es geht um Amelie, fast 2 Jahre, um Emily, 2 Jahre, um Amina, 3 Jahre, Matilda, 5 Jahre, Zoe, 5 Jahre, Jasmin Amelie, 7 Jahre, Victoria, 7 Jahre, Kerstin, 14 Jahre, Anett-Marie, 20 Jahre, Jenny, 23 Jahre, Kathrin, 23 Jahre, Nele, 26 Jahre, Daniela, 29 Jahre, Julia, 31 Jahre, Conny, 34 Jahre, Tanja, 37 Jahre, Silke, 40 Jahre, Kirsten, 42 Jahre, Petra, Brigitte, 51 Jahre, Barbara, 55 Jahre, Marlis, 59 Jahre.

Es geht auch um Anne-Christin, Mina, Natalie, Jana, Antje, Gabi, und eigentlich alle anderen Mädchen, jungen Frauen und älteren Damen, die ihr Herz in die Hand genommen haben und stellvertretend für eine Gruppe von Menschen stehen, die mit einer kleinen Auffälligkeit ihres Chromosomensatzes geboren wurden und sich aufgemacht haben, ihr Leben damit zu meistern.

Eigentlich sind es altershierarchisch aufgearbeitet kleine, kurze Lebensgeschichten von Betroffenen der häufigsten chromosomalen Veränderung beim weiblichen Geschlecht und manchmal auch ihrer Eltern. Jede Geschichte ist individuell und einmalig, jede gibt zu denken. Es besteht kaum die Möglichkeit, sie hintereinander weg zu lesen, jede Geschichte bewegt, jede gibt etwas mit. Ihnen allen gemeinsam ist die unbändige Lebensfreude und Kraft, aber auch die Schicksalshaftigkeit, ein wenig kleiner zu sein als andere, oder ein höheres Risiko für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems zu haben.

"Das Ullrich Turner Syndrom ist per se keine geistige, körperliche oder seelische Behinderung, solange keine chronischen gesundheitlichen Folgewirkungen mit signifikanter Einschränkung der schulischen, beruflichen und privaten Teilhabe vorhanden ist." (Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Fritz Haverkamp); es ist unsere Gesellschaft und der Drang zu gewissenloser Optimierung, die es Menschen mit ein wenig Anderssein schwer machen kann.

Dieses Buch ist eine Bereicherung für alle Ullrich-Turner-Menschen, aber auch für alle anderen, die genetische Beratungen bei Schwangeren durchführen, und mitunter zu Unterbrechungen der Schwangerschaften raten, für alle die, die sich aus medizinischer Sicht mit sog. "genetischen Erkrankungen" beschäftigen, und für die Neonatologen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin, weil eine frühe Diagnose die Weichen für die Betroffenen stellt, denn sie sind es, die – egal bei welcher Erkrankung – nahezu immer zu kurz kommen.

Univ.-Prof. Dr. med. Christoph Kampmann, Mainz


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2017; 88 (2) Seite 134