Akne ist eine Erkrankung mit zum Teil hohem Leidensdruck für die Patienten. Die meisten Jugendlichen haben während der Pubertät in unterschiedlicher Ausprägung damit zu kämpfen. Wie bekommt man die Haut rein und die Bakterien los? Worauf sollte man bei der Ernährung achten? Und was tun gegen die Narben? Antworten auf diese Fragen hat Prof. Christiane Bayerl, Klinik für Dermatologie und Allergologie in Wiesbaden.

80 % aller Teenager leiden unter Akne. Die Erkrankung ist entstellend, schmerzhaft, beeinträchtigt die psychische Entwicklung der jungen Menschen und lässt bei 20 % Narben zurück. Akne vulgaris ist eine Hauterkrankung der Talgdrüsen mit Beginn in der Pubertät aufgrund einer genetischen Anlage. Die wichtigsten pathogenen Faktoren sind Verhornung und eine dadurch bedingte Stauung von Talgdrüsen des infundibulären Epithels sowie eine Stimulation der Talgdrüsensekretion durch Androgene und mikrobielle Besiedlung von Haarfollikeln durch das Cutibacterium acnes (= ehemals Propionibacterium acnes) mit nachfolgenden Entzündungsreaktionen. Das klinische Bild der Akne reicht von einer milden Form (Komedonenbildung) über Knotenbildung mit Pusteln (Acne papulopustulosa) bis hin zu fistulierenden Verläufen (Acne conglobata). Die Acne fulminans ist die seltene Maximalform mit systemischer Beteiligung in Form von Fieber und Knochen-, Gelenk- und Muskelbeteiligung.

Bei den schweren Akneverläufen führen die entzündungsbedingten Läsionen der Hautstruktur zur Ausbildung von Narben. Typische Aknenarben stellen die inhomogenen, atrophen Narben dar, die durch eine lokale Zerstörung von Bindegewebe in der Dermis entstehen. Des Weiteren kann es zu hypertrophen Narben (Keloiden) kommen, die aus minderwertigem, faserreichem Ersatzgewebe mit parallel angeordneten Kollagenfasern bestehen und eine im Vergleich zu gesunder Haut gestörte Funktion haben [1]. Anbei eine Auswahl häufiger Fragen der Eltern in der Sprechstunde. Die Antworten fokussieren besonders auf neue Entwicklungen und Forschungsdaten.

Wäscht sich mein Kind nicht genug? Wie bekomme ich die Haut rein und die Bakterien los?

Christiane Bayerl: Akne ist keine Infektionserkrankung. Tabu ist eine lokale Monotherapie mit Antibiotika aufgrund der Resistenzausbildung. Desinfektionsmittel mit Resorcin, Chlorhexidin, Hexachlorphenon, Polividon Jod, Schwefel und Triclosan werden zur Therapie der Akne nicht mehr empfohlen. Mittel der ersten Wahl ist Benzoylperoxid, dann Azelainsäure und Vitamin-A-Säure-Präparate. Die Kombination von Vitamin-A-Säure-Präparaten und Antibiotika kann die Resistenzbildung verhindern. Therapeutisches Ansprechen wird nach 6 Wochen sichtbar – wichtig für das Patientengespräch [2].

"Alkoholische" Lokaltherapie als Reinigungslotion sind genauso falsch wie Seifen. Sie zerstören das Hautmilieu und den Säureschutzmantel der Haut. Die Waschzubereitungen sollen im sauren Bereich oder im pH-balancierten Bereich liegen. Brust- und Rückenpartie sollten mitbehandelt werden [3].

Spielt die Ernährung eine Rolle?

Christiane Bayerl: Keine Akne findet man bei Stämmen in Papua Neuguinea, in Paraguay und bei den Inuit. Als Erklärungsmodell werden "paläolithische Diäten" (niedrig glykämisch, keine Milch, keine Getreideprodukte) herangezogen. Menschen mit dem seltenen Larson-Syndrom weisen Mutationen im Wachstumshormon-Rezeptor auf und haben eine reduzierte Insulin-like-Wachstumshormon(IGF)-1-Produktion. Sie entwickeln nie einen Diabetes, haben keine Tumoren, altern langsamer und haben keine Akne. Wird der Minderwuchs mit rekombinantem IGF-1 behandelt, entwickeln sie Akne.

Selbstverständlich sollen Jugendliche im Wachstum und in der Pubertät keine Diät einhalten. Aber ein Überschuss an hyperglykämischen Kohlenhydraten, Milch- und Getreideprodukten und gesättigten Fetten (z. B. Burger, Pommes, frittierte Nahrungsmittel) fördert Akne über den ernährungsinduzierten IGF-1-Signalweg. Eine balancierte Kalorienaufnahme mit Gemüse und Fisch ist sinnvoll [4].

Dass keine Schokolade und kein Senf gegessen werden darf, sind Ammenmärchen.

All unsere therapeutischen Bemühungen zur Akne werden zunichtegemacht, wenn Hormone substituiert werden oder eine Eiweißmast erfolgt: z. B. wenn zusätzliches Proteinpulver im Sinne eines übersteigerten Körperbewusstseins im Sportstudio oder im Leistungssportverein empfohlen und eingenommen werden [5].

Üblicherweise sind keine Vitaminpräparate bei Kindern notwendig, insbesondere Vitamin B6 fördert die Akne [2].

Kann man etwas tun gegen die Narben?

Christiane Bayerl: Zur Behandlung sowohl der atrophen Narben als auch der Keloide steht ein Spektrum an Behandlungsmethoden zur Wahl: Die klassische konservative Therapie besteht aus Salben, Narbenpflastern und Kompressionsverbänden.

Unter den operativen Verfahren eignet sich am besten das Ausstanzen der sogenannten Boxcar-Narben, der tief eingesunkenen Narben, in Verbindung mit Subcision, d. h. einem Lösen der Narbenzüge in die tiefe Dermis. Zu den minimal-invasiven ablativen Verfahren zählt das Chemical Peeling. Die Dermabrasion mit hochtourigen Schleifköpfen oder ablative Laser sind heute obsolet, da oft neue Narben gesetzt werden. Mittels fraktionierter Laser als semiablative Option ist eine Besserung zu erzielen.

Beim Medical Needling werden durch einen mit Nadeln besetzten Roller multiple Punktionen verursacht, welche bis in die papillare Dermis reichen. Durch die entstandenen Punkt-Blutungen in der Dermis und die daraus resultierende Entzündungsreaktion wird die posttraumatische Wundheilungskaskade aktiviert, was zur Synthese einer Vielzahl von Wachstumsfaktoren führt. Bei der erhöhten Stimulation von TGF-ß3 und daraus resultierender Produktion von Kollagen Typ 1 kommt es zu einer gitterartigen Quervernetzung des Kollagens, wie es für die gesunde Haut typisch ist. Wiederholte Behandlungen unter einer lokalen Betäubung sind notwendig [1, 2].

Diese Optionen der Narbentherapien bessern das Hautbild, sind aber nicht in der Lage, einen narbenfreien Hautzustand "wie vorher" herzustellen. Wichtig ist, eine Narbentherapie erst dann zu starten, wenn die Akne abgeheilt ist.

Am bedeutsamsten aber ist die Prävention. Schon in der Sprechstundensituation kann man an den begleitenden Eltern die genetische Basis der Akne ablesen. Sind bei einem oder beiden Elternteilen oder bei den älteren Geschwistern Narben zurückgeblieben, muss systemisch behandelt werden.

Aufgrund der Teratogenität oraler Vitamin-A-Säure-Präparate (Isotretinoin) ist bei Mädchen vorausgehend und parallel obligat eine Kontrazeption mit der Pille erforderlich. Die Beratung und das schriftliche Einverständnis sind aufwendig, dafür ist dann mit Isotretinoin jede Akne in den Griff zu bekommen [2].


Literatur
1. Aust M, Walezko N (2015) Acne scars and striae distensae: effective treatment with medical skin needling. Hautarzt 66: 748 – 752
2. Nast A, Bayerl C, Borelli C, Degitz K, Dirschka T et al. (2010) AWMF 013/107 S2k-Leitlinie zur Therapie Akne. JDDG 8 Suppl 2: 1 – 59
3. Bayerl, C, Degitz K, Meigel E, Kerscher M (2010) Adjuvant dermato-cosmetic acne therapy. JDDG 8 Suppl 1: 589 – 594
4. Melnik BC, John SM, Plewig G (2013) Acne: risk indicator for increased body mass index and insulin resistance. Acta Derm Venereol 93: 644 – 649
5. Bayerl C (2014) Body-Builder Acne. In: Pathogenesis and Treatment of Acne and Rosacea. Springer-Verlag, S 259 – 263


Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Christiane Bayerl

Klinik für Dermatologie und Allergologie, Hauttumorzentrum Wiesbaden
Ludwig-Erhardt-Straße 100
65199 Wiesbaden

Interessenkonflikt: Die Autorin gibt an, dass kein Interessenkonflikt im Zusammenhang mit diesem Beitrag besteht.


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2021; 92 (4) Seite 94-95