Ein 2. Posterpreis ist Lucie Schröder aus Berlin bei der DGSPJ-Jahrestagung 2025 zuerkannt worden, und zwar zu einem sozialpädiatrisch hoch relevanten wie sensiblen Thema: Gewichtsdiskriminierung.

Gewichtsdiskriminierung bezeichnet die Schlechterbehandlung von Menschen aufgrund ihres Körpergewichtes. Im pädiatrischen Gesundheitssystem ist die Studienlage zur Gewichtsdiskriminierung von Kindern und Jugendlichen noch immer sehr limitiert. Dennoch deuten erste Studien darauf hin, dass mehrgewichtige Kinder auch in diesem "Raum" gewichtsdiskriminierende Erfahrungen machen. Die vorliegenden Ergebnisse greifen diese Datenlücke auf. In einer Evaluationsstudie (EvambAdi) eines ambulanten Reha-Programms für Kinder und Jugendliche mit diagnostizierter "Adipositas" wurde Gewichtsdiskriminierung als ein Teilaspekt im Rahmen von qualitativen Erhebungen exploriert. Das Poster präsentiert prägnante Ergebnisse zum Einfluss von Gewichtsdiskriminierung auf die Therapie von "Adipositas":

Wiederholt wurden das äußere Erscheinungsbild und Kleidung (z. B. bauchfrei) als Gründe für die Teilnahme an der Reha angegeben. Zudem sprachen Kinder und Jugendliche von bereits stattgefundenen Diskriminierungserfahrungen und dem Ziel, diese in Zukunft verhindern zu wollen. In diesem Zusammenhang benannte das interviewte Fachpersonal außerdem oft "Gewicht halten" als ein Ziel der Reha, während die Kinder und Jugendlichen das Ziel vor allem mit dem Wort "Abnehmen" ausdrückten. Des Weiteren erwies sich die Sprache als wichtiger Faktor. So diskutierten die Kinder und Jugendlichen z. B. untereinander, welchen Namen sie sich für das Reha-Programm wünschen würden und beschrieben dabei zum Teil detailreich die Wirkung einzelner Wörter.

Bezogen auf die ambulante Gesundheitsversorgung, erzählten Kinder und Jugendliche von stigmatisierenden Therapieempfehlungen und diskriminierenden Äußerungen durch kinderärztliches und weiteres Fachpersonal. Als Konsequenz verloren die Kinder und Jugendlichen das Vertrauen in ärztliche Hinweise, wechselten Praxen oder mieden ärztlichen Kontakt gänzlich.

Zusammengefasst beeinflusst Gewichtsdiskriminierung verschiedene Aspekte innerhalb des therapeutischen Settings. Doch noch immer sind viele dieser Aspekte unerforscht. Zukünftige Forschung in der Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen sollte genau da ansetzen.

PDF aller preisgekrönten Poster

Bei Interesse freuen wir uns jederzeit über Austausch und verweisen gerne auf unsere erste Publikation aus dem Projekt:

Schröder L, Fahrenkrog S, Klüpfel L, Stumm J (2025) "Weighing is annoying" – Weighing of higher-weight children between discomfort, discrimination, and potential for change. J Pediatr Nurs 85: 5418 https://doi.org/10.1016/j.pedn.2025.09.018


Autorin:
Lucie Schröder
Charitéplatz 1, 10117 Berlin


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (2) Seite 147