Professor Hubertus von Voss (München) hielt auf dem Kinderärztekongress in Leipzig einen Vortrag über die Entwicklung der "Kinderärztlichen Praxis" in den letzten 20 Jahren. Bei seinen Recherchen hat er das Archiv bis zu den Anfängen der Zeitschrift (1930) durchforstet. Dabei ist er auf interessante, fast vergessene, aber auch erschreckende Dinge gestoßen …

Kinderärztliche Praxis: Herr Professor von Voss, von wem und warum wurde die Kipra 1930 ins Leben gerufen?

Professor H. von Voss: Die "Kinderärztliche Praxis" – heute wie früher vor allem in der damaligen DDR "Kipra" genannt – erschien erstmalig unter der Schriftleitung von Stefan Engel, Dortmund, und Erich Nassau, Berlin, im September 1930. "Die Kinderärztliche Praxis sollte dem Praktiker die Ergebnisse der Forschung in ihrer Anwendung vor Augen führen", so Stefan Engel in seinen 2008 im Mainzer Kirchheim-Verlag erschienenen Erinnerungen: "… Leuchtet´s lange noch zurück" (Das Werk gibt es unter http://www.kirchheim-shop.de .

Stefan Engel gab Gründe an, warum er mit Erich Nassau diese Zeitschrift mit diesem Titel beim Thieme-Verlag in Leipzig ins Leben gerufen hatte: "Wozu ist die Forschung gut, wenn nicht auch zum Wohl der Kinder? Kinderärztliche Forschung ist keine Philosophie, sondern dient der Persönlichkeit des Kindes, dem Erkennen und Heilen seiner Krankheiten."

Und weiter schreibt er: "Worüber ich mich nicht nur bei den deutschen pädiatrischen Zeitschriften wundere, ist die Tatsache, dass man sich zwar mit den krankhaften Zuständen der Kinder beschäftigt, nicht aber mit der körperlichen und geistigen Entwicklung. Nicht zum ersten Mal gebrauche ich in diesem Zusammenhang ein Bild: Warum der Tanz um die Spitze der Pyramide? Wer bauen will, muss mit dem Fundament anfangen. Die so beliebte Beschäftigung mit der Psychologie und Psychiatrie des Kindes erscheint mir mit dem Mangel wirklicher, naheliegender Probleme zu tun zu haben. Ich gebe gerne zu, dass diese meine Meinung falsch oder hoffnungslos veraltet sein mag."

Liest man diese Passage, so wird einem sofort deutlich, wie weitsichtig Stefan Engel und Erich Nassau waren. Auch heute noch gelten diese Aussagen; sie könnten quasi als modern bezeichnet werden.

Um welche Themen ging es beispielsweise in der ersten Ausgabe?

Das Inhaltsverzeichnis der ersten Ausgabe dieser Zeitschrift verdeutlicht, um welche Themenblöcke es den Schriftleitern und Herausgebern zunächst im Jahr 1930 ging: Klinische Beiträge (Rachitisvorbeugung in der Fürsorge, Psychologie und Physiologie des Stillens, Technik und Wert der Blutkörperchen – Senkungsreaktion in der kinderärztlichen Praxis etc.), Fortschritte (z. B. zur Physiologie und Pathologie des Kreislaufes im Kindesalter, über die Diagnose und Therapie der hämorrhagischen Diathese oder das Schilddrüsenproblem), Umfragen (zu wichtigen kinderärztlichen und damit für die Praxis relevanten Themen: Behandlung der Otitis und Mastoiditis), Umschau (neue Gesetze, die Gefahren der kindlichen Sprachentwicklung), Praktische Ratschläge (Behandlung der Säuglingskrämpfe, Schnelldiagnose der Lues beim Säugling), Feuilleton (aus Briefen Otto Heubners, Epigenesis des deutschen Kinderbuches, die Schrift des Kindes in der Hand des Kinderarztes), Wirtschaftliches (die wirtschaftliche Lage des Kinderarztes), Referate(Bemerkungen zu Schriften und Büchern), Tagesgeschichte.

Über die folgenden Jahrzehnte veränderten sich diese Hauptthemen nicht. Die Auswahl der hier aufgezählten Themenblöcke macht deutlich, wie weitsichtig die Kipra schon vor 84 Jahren war und wie sehr es dieser Zeitschrift darum ging, bei der Publikationsauswahl dem Kinderarzt einen "Blick über den Tellerrand" zu ermöglichen.

Wie sahen die ersten Hefte und die Beiträge darin aus?

Der erste Jahrgang, beginnend ab September1930, umfasste für 3 Monate 204 Seiten. Die folgenden Jahrgänge hatten bis 1939 einen Umfang zwischen 560 bis über 600 Seiten und darüber. Die Texte der einzelnen Publikationen waren anschaulich geschrieben, damit sehr gut verständlich und vom Seitenumfang her überschaubar. Zum Teil waren eindrucksvolle Abbildungen, Tabellen und auch Bilder von Patienten zu finden.

Stefan Engel mit Erich Nassau betonen in dem ersten Editorial "Zur Einführung" ihre Auswahl der Themen und Autoren für die auch zukünftig gewählten Themenschwerpunkte so: "Diese Aufgabe (beide meinten hierbei die Praxisbezogenheit der von ihnen gewählten Themen) kann durch die bestehenden Zeitschriften, welche alle mehr oder minder Archivcharakter tragen, nicht erfüllt werden. Herausgeberkollegium, Schriftleitung und Verlag haben sich daher zur Gründung einer Zeitschrift entschlossen, die den praktischen Arzt, den Facharzt und den Sozialarzt über die Fortschritte auf dem Gebiete der Kinderkunde und Kinderheilkunde unterrichten soll
(S. 1)." Die beiden fahren dann fort: "Diesem Ziel entsprechend wird die neue Zeitschrift Arbeiten rein theoretischen Inhalts – sogenannte Laboratoriumsarbeiten – nicht veröffentlichen. Dagegen sollen alle Fragen von praktischem, klinischem und soziologischem Interesse ausführlich gewürdigt werden."

Mit dem Terminus "soziologisches Interesse" war im Prinzip der Beginn der Sozialpädiatrie als Fachgebiet einer erweiterten Pädiatrie, als Querschnitts- und Brückenfachgebiet eingeleitet.

Gab es erschreckende Artikel, die man heute auf keinen Fall mehr veröffentlichen würde?

Die Kipra ist aufgrund ihrer langjährigen Geschichte zu einem Spiegelbild bedeutender Pädiater aus dem In- und Ausland geworden, aber auch von Irrwegen, zu denen sich namhafte Kinderärzte haben hinreißen lassen. Das Jahr 1934 mit seinem 5. Jahrgang der Zeitschrift studiert zu haben, eröffnet Abgründe, wozu sich Kinderärzte wie z. B. Albrecht Peiper (1889 bis 1968) – damals an der Charité in Berlin – und andere gegenüber ihren Kollegen und Kolleginnen meinten äußern zu müssen, und dies mit einem sehr bekannten Namen in der Pädiatrie und dann auch noch als ehemalige Mitarbeiter von Adalbert Czerny (1863 – 1941) an der Charité in Berlin, wo Czerny 1932 emeritiert worden war. Peiper, dessen Lehrbuch "Die Eigenart der kindlichen Hirntätigkeit" immer noch ein unverzichtbares Standardwerk für Kinderärzte, Sozialpädiater und vor allem Neuropädiater darstellt, war im Jahr 1937 der NSDAP beigetreten. Er veröffentlichte bereits 1934, nachdem Stefan Engel und Erich Nassau 1932 aus der Schriftleitung verdrängt worden waren, jenen zum Entsetzen führenden Beitrag unter der Überschrift: "Die Mitarbeit des Kinderarztes an der Artverbesserung",Jahrbuch 5; S. 171 – 76 (Auszug siehe Kasten).

Aus "Mitarbeit des Kinderarztes an der Artverbesserung" von Albrecht Peiper, Kipra, 1934
"Die Geburtenzahl wird ja mit voller Absicht beschränkt; sie ist durchschnittlich um so niedriger, das Heiratsalter aber um so größer, je höher die gesellschaftliche Stufe der Familie ist. Durch die Kultur wird die natürliche Zuchtwahl zum großen Teil ausgeschaltet. Durch diese Verringerung und Verschlechterung des Nachwuchses ist die Zukunft des deutschen Volkes auf das schwerste bedroht. Unsere führenden Rassehygieniker haben diese Gefahr schon lange erkannt und vor ihr gewarnt. Die nationalsozialistische Regierung hat die Folgerung daraus gezogen und – neben anderen Maßnahmen – das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 zu erlassen, das am 1. Januar 1934 in Kraft tritt. Es soll dazu dienen, einer Reihe von schweren Schäden vorzubeugen. Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leiden nicht im Körper des Kindes verewigen." "Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass nur wer gesund ist, Kinder zeugen darf (Adolf Hitler)."

Im Folgenden zitiert Peiper die wichtigsten Rassegesetze und setzt sich schließlich auch noch mit dem Wert von Säuglingen auseinander, die nicht gestillt, aber künstlich ernährt werden müssen. Diese Ausführungen bedürfen noch einer intensiven Recherche, da Peiper seinen früheren Lehrer und Chef, A. Czerny, erwähnt und ihm Einstellungen zuweist, die in hier nachzulesender verkürzter Form zu historischen Fehleinschätzungen führen könnten:

"Nach Czerny sind die künstlich genährten Säuglinge, die im ersten Lebensjahre sterben, erheblich minderwertiger als die anderen. Indessen befinden sich alle künstlich ernährten Säuglinge unter stark unphysiologischen Bedingungen. Die künstliche Ernährung, besonders wenn sie fehlerhaft angewandt wird, bildet den unmittelbaren Anlaß dafür, daß die Erscheinungen der exsudativen Diathese, Rachitis, Spasmophilie oder die Neigung zu Ernährungsstörungen oder Infekten aller Art hervortreten und die Kinder gefährden. Gewiß hat die moderne Ernährungslehre diese Schäden weitgehend zu vermeiden und zu überwinden gelehrt, doch werden immer noch Säuglinge mit künstlichen Nährgemischen unzweckmäßig ernährt. Die Auslese, die an sich nicht bezweifelt werden soll, wirkt also nicht unter den Bedingungen, an die das Kind von Natur angepaßt ist, sondern es werden die Säuglinge ausgemerzt, die bei einer in der Regel stark fehlerhaft gehandhabten künstlichen Ernährung nicht gedeihen. Bei der allein physiologischen Brusternährung wären sie zweifellos ganz anders vorwärts gekommen, so daß die Auslese kaum wirksam gewesen wäre. Eine hohe Säuglingssterblichkeit führt daher durchaus nicht zu einer Ausmerzung der wirklich minderwertigen Kinder, vielmehr werden wie bei einer Katastrophe ohne Auswahl biologisch mehr und weniger wertvolle Säuglinge beseitigt."

Sucht man in den beiden Bänden (5, 1934; 176) "Des Kindes Ernährung, Ernährungsstörungen und Ernährungstherapie" von Czerny und Keller vor allem im I. Band nach Äußerungen von Czerny zu künstlich ernährten Säuglingen, so wird man nicht fündig zu solch desaströsen Meinungen: Das Gegenteil ist wohl wahr, und so muss man vermuten, dass Peiper versuchte, Czerny nationalsozialistisches Gedankengut zuzuschreiben, um seine menschenverachtenden Meinungen mit der Nennung des berühmten Namens begründen zu können.

Czerny war an der Charité im Sommersemester 1932 als 69-Jähriger emeritiert worden. Es ist nicht identifizierbar, wie Czerny auf diesen Beitrag von seinem Schüler Peiper reagierte und ob er ihn überhaupt zur Kenntnis genommen hatte. Rolf Schmoeger erwähnt 2003 in seinem Buch "Adalbert Czerny (1863 – 1941) – Mitbegründer der wissenschaftlichen Kinderheilkunde", dass Czerny sich nicht "zimperlich" an wissenschaftlichen Diskussionen beteiligte und deshalb wohl bei Baginsky und Fanconi keine Anerkennung fand. Es ist somit anzunehmen, dass er Peiper mit seinem Beitrag zu den Rassegesetzen der Nazis in der Kipra attackiert hätte, sollte er diesen Beitrag gelesen haben.

Diesem Beitrag folgten im 5. und 6. Jahrgang weitere nationalsozialistische grauenerweckende Beiträge, weshalb vor allem diese beiden Bände mit einzelnen Beiträgen unter der Schriftleitung von H. Opitz, Mainz, und mit den Herausgebern Catel, Kleinschmidt, Klotz, Rietschel, Stoeltzner, Stolte und Wieland zu den Schandflecken pädiatrischer Literatur zählen.

Woran würden Sie die sozialpädiatrische Orientierung der Kipra in den ersten Jahrgängen festmachen?

Ohne Zweifel war die Kipra bereits 1930 zu einer Zeitschrift der Sozialpädiatrie und damit zu einem Sprachrohr sozialpädiatrischer Arbeit des in Klinik und Praxis tätigen Kinderarztes geworden. Die Themenvielfalt und schließlich auch die neu über die Jahrgänge hinzugekommenen Schwerpunktthemen, z. B. Kinderpsychiatrie, Röntgenschaukasten und ein bemerkenswerter immer wiederkehrender Themenblock "Fehldiagnosen", zählen zu den absoluten Höhepunkten einer weisen Themenauswahl. Gerade letztere Thematik wäre in unserer Zeit nahezu unmöglich in einer Fachzeitschrift, da sich Ärzte zunehmend zu eigenen Fehlern verteidigen müssen, anstatt kollegial anderen mitteilen zu können, wie sie zu Fehlentscheidungen bei Diagnostik und Therapie gekommen waren, und wie man solche Fehler vermeiden sollte – zum Wohl der anvertrauten Kinder.

Die Kipra ging beispielhaft voran, das Fachgebiet der Pädiatrie zu erweitern, indem sie Brücken zu benachbarten Fachgebieten schlug, und deutlich machte, wie sehr es ihr um die Vernetzung von fachlicher Kompetenz für kranke Kinder ging und wie wichtig ihr schließlich auch das Thema Prävention über die Jahrzehnte wurde.

Sie hat somit ohne Zweifel – wie kaum eine andere deutsche kinderärztliche Zeitschrift – den Kinderärzten vor Augen geführt, dass Krankheit die Gesamtentwicklung von Kindern nachhaltig beeinflusst und es um einen Dialog gehen muss, wie Kinder vor bleibenden Gesundheitsschäden (somatisch, psychisch, psychosozial etc.) bewahrt werden müssen.

Damit wurde im Prinzip der Grundstein für eine pädiatrische Gesundheitswissenschaft gelegt, wie sie dann nach 1994 von H. G. Schlack in der wiederbegründeten Kipra für die Pädiatrie als unverzichtbar eingefordert und auch beschrieben wurde.

Mit welchen Erkrankungen/Themen hatte ein Kinderarzt damals überwiegend zu tun?

Will man heute als junger und lernender Kinderarzt von herausragenden Experten z. B. etwas über die sogenannten Kinderkrankheiten erfahren, so muss man nur einzelne Kipra-Jahrgänge durchforsten. Zu damals häufigen Krankheiten wie Diphtherie, Pertussis, Polio etc. wird man klinisch relevante und damit anschauliche Informationen erlangen können. Diese Erkrankungen sind heute durch Impfungen in den Ländern der westlichen Welt vornehmlich entweder nahezu ausgerottet oder tauchen nur noch selten auf. Bedeutende Pädiater wandten sich nach 1930 mehr und mehr auch chronischen und seltenen Krankheiten zu, suchten nach neuen Therapiemöglichkeiten, diskutierten diese offen und fahndeten somit nach dem "goldenen Mittelweg" für Diagnostik und Therapie.

Mit Jahrgang 15 stellte die Zeitschrift am 3. September 1944 "vorläufig" ihr Erscheinen ein. Über die Folgejahre waren Stefan Engel und Erich Nassau als Erstherausgeber der Kipra vergessen.

Was waren für Sie die Highlights (positiv oder negativ) aus all diesen Heften?

Es könnte ein falscher Eindruck entstehen, wollte man aus allen Jahrgängen seit 1930 einige wenige Highlights herausheben. Dieser Versuchung will ich nicht anheimfallen. Im Gegenteil: Die Highlights – sollten so überhaupt Publikationen in der Kipra bewertet werden wollen – sind, dass diese Zeitschrift neue Antriebskräfte erhielt, erstens mit dem Wiedererscheinen mit Jahrgang 16 im Jahr 1948 unter der Herausgeberschaft von K. Klinke, damals Berlin, und zweitens dadurch, dass mit der Teilung Deutschlands diese Zeitschrift zum Sprachrohr der Pädiatrie und Sozialpädiatrie in der DDR wurde.

Ein großer Verdienst um die Fortentwicklung der Zeitschrift kommt zweifelsohne Wolfgang Plenert (1921 – 2000) zu, der von der Universitätskinderklinik Jena aus als Herausgeber die Zeitschrift auf höchstes internationales Niveau anhob. Er war es, der in der damaligen DDR die Knochenmarktransplantation im Jahr 1980 in seiner Klinik einführte und selbst vor allem hämatologisch ausgerichtete Publikationen in der Kipra veröffentlichte.

Auch sollte ein Highlight sein, dass man sich an Stefan Engel erinnerte und ihn 1953 nach Bad Kissingen zur 53. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde eingeladen hatte, wo er einen Vortrag zum Thema "Das Wachstum der Lunge" halten konnte und damit zu jenem Spezialgebiet, mit dem er sich vor allem in seiner Londoner Zeit ab 1937 an der Klinik "Great Ormond Street" in London herausragend und wegweisend beschäftigt hatte.

Ohne Zweifel wird die noch nicht abgeschlossene Analyse der Kipra über die Jahre der deutschen Teilung hinweg einer weiteren zukünftigen Würdigung bedürfen (in Arbeit).

Es steht fest, dass durch die Teilung Deutschlands von 1949 bis 1990 schmerzhafte Grenzen zwischen sich unterschiedlich entwickelnden Pädiatrien in den beiden Hälften Deutschlands entstanden. Diese Jahrgänge der Zeitschrift, die im Verlag "VEB Thieme Leipzig" erschienen, beinhalten Publikationen, die dem damals pädiatrischen bundesrepublikanischen Deutschland verborgen blieben. Viele Publikationen aus dieser Zeit sind bis heute von größter Bedeutung für die Pädiatrie. Dass der Pädiatrie in der Bundesrepublik Deutschland jene Beiträge zum allergrößten Teil verborgen blieben, kann man an der Tatsache ablesen, dass die gesamten Jahrgänge der Kipra in bundesrepublikanischen Bibliotheken schwierig aufzufinden sind. In den Universitätsbibliotheken Halle bzw. in der Charité Campus Virchow-Klinikumfindet man sie und bis 1973 im Kinderzentrum München, aber sicherlich auch in Jena und anderen Universitätsstädten der damaligen DDR.

Es ist ein absolutes Highlight, dass die Kipra nun ausgerechnet im September 2014 in Leipzig ihr 20-jähriges Jubiläum der Wiederbegründung feiert und dabei erneut mit der Vergabe des "Stefan-Engel-Wissenschaftspreises" einen der herausragenden Pädiater und Sozialpädiater jüdischer Herkunft, dem unendliches Leid zuteil wurde, ehren kann. Der Monat September ist zu einem bedeutenden Monat für diese Zeitschrift geworden.

Wo steht die Zeitschrift Ihrer Ansicht nach heute?

Die Kinderärztliche Praxis ist eine pädiatrische und sozialpädiatrische Fachzeitschrift, die unter bedeutenden Schriftleitern (H. G. Schlack, R. von Kries, aktuell K. Brockmann und M. Knuf) nun seit 20 Jahren im Kirchheim-Verlag in Mainz erscheint und mit fachkundigen Redakteuren ernstzunehmende Publikationen zur Sozialpädiatrie und Pädiatrie einem interessierten Leserkreis nahebringt. Sie steht heute an der Spitze der Beliebtheitsskala unter Pädiatern. Es hat sich gelohnt, die Zeitschrift vor 20 Jahren mit dem Kirchheim-Verlag wieder erscheinen zu lassen, denn: Diese Fachzeitschrift spiegelt wider, wie gefahrvoll es sein kann, gesellschaftlich gefährliche Tendenzen und für Kinder, Jugendliche und Familien gefährliche Ideologien nicht rechtzeitig erkannt zu haben.

Die Kipra von heute hat einen sozialpädiatrisch/pädiatrisch-gesellschaftlichen Auftrag. Ohne Zweifel hat hier die Kooperation mit "Kinder Spezial" des Kindernetzwerks e. V. diese Intentionen nachhaltig bis heute unterstützt.

Die Fragen hat Angelika Leidner gestellt.



Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2014; 85 (5) Seite 321-324