Ein Screening auf Typ-1-Diabetes könnte über die Risikogruppen hinaus auch für die Allgemeinbevölkerung von Nutzen sein. Ein groß angelegtes Screeningprogramm in Bayern ermöglichte die Identifizierung eines Großteils der Kinder, deren Typ-1-Diabetes sonst nicht so frühzeitig erkannt worden wäre. Und: Auch wiederholte Screenings lohnen sich, da sie zur frühen Aufdeckung weiterer Fälle führen.

Um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, untersuchte eine Arbeitsgruppe vom Helmholtz-Zentrum München die Prävalenz und Progression früher Stadien des Typ-1-Diabetes im Rahmen der populationsbasierten Screeningstudie Fr1da. Zwischen 2/2015 und 7/2025 wurden in Bayern rund 220.000 Kinder im Alter von 1,75 bis knapp 11 Jahren durch 716 niedergelassene Kinderärztinnen und Kinderärzte untersucht und dabei deren Inselautoantikörper bestimmt. Das Screening erfolgte zunächst einmalig im Alter von 1,75 bis 6 Jahren und wurde später bis zum Alter von 11 Jahren auf bis zu zwei Untersuchungen erweitert.

Bei 590 Kindern wurde bereits beim ersten Screening ein präsymptomatischer Typ-1-Diabetes diagnostiziert (Prävalenz von 0,3 %). Davon entfielen 0,23 % auf Stadium 1 und 0,06 % auf Stadium 2. Bei einer Zweituntersuchung von 11.726 Kindern nach einem medianen Intervall von 3,3 Jahren kristallisierten sich weitere 29 Fälle eines frühen Typ-1-Diabetes heraus. Dies entspricht einer Prävalenz von 0,25 %. Bei einem weiteren medianen Follow-up von 5,7 Jahren wurde bei 260 Kindern ein neu auftretender, klinisch manifester Diabetes entdeckt. Besonders bemerkenswert dabei war, dass die Erkrankung bei 43 Kindern ohne jeglichen vorherigen Hinweis oder spezifische Diabetes-Indikatoren erkannt werden konnte. Durch das Screening konnten demnach insgesamt 81,5 % (212 von 260) der Kinder identifiziert werden, bei denen sich erst während der Nachbeobachtungszeit ein klinischer Typ-1-Diabetes (Stadium 3) entwickelt hat. Weiterer interessanter Nebenbefund: Zwischen Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung ergab sich zwar ein geringfügiger, aber kein signifikanter Unterschied (41 % zu 35 %).

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daraus ist eindeutig: „Das Screening der Allgemeinbevölkerung auf Typ-1-Diabetes im Frühstadium mittels Inselautoantikörpern erwies sich als effizient und sensitiv.“ Denn bei einer Beschränkung des Screenings auf Kinder mit positiver Familienanamnese hätten lediglich 17 % der Frühstadien und 16 % der später manifesten Fälle erfasst werden können. Diese Ergebnisse unterstützen daher die Forderung nach einer Ausweitung populationsbasierter Screeningprogramme auf die Allgemeinbevölkerung zur frühzeitigen Aufdeckung des Typ-1-Diabetes.


Raimund Schmid

Quelle: Winkler C et al. Screening Children for Early-Stage Type 1 Diabetes. JAMA. 2026;335(23):2046–2056. doi:10.1001/jama.2026.6085