Eine schwedische Studie liefert sehr differenzierte Daten zu Stuhlfrequenz, -konsistenz, Risikofaktoren und Therapieverläufen von Kindern bis zum Alter von 2,5 Jahren. Überraschend ist dabei, wie häufig bei Kindern in den ersten 30 Lebensmonaten eine funktionelle Obstipation verbunden mit schmerzhaften Stuhlgängen entdeckt wurde.
Die schwedische Kohortenstudie ist deshalb von großer Bedeutung, weil gastrointestinale Beschwerden zu den häufigsten Gründen für Arztkontakte im Säuglings- und Kleinkindalter zählen. Ein Team von Kinderärztinnen und Kinderärzten von der Sahlgrenska Academy der Universität Göteborg hatten daher in einer prospektiven Geburtskohorte Häufigkeit und den Verlauf von Stuhlgewohnheiten mitsamt den potenziellen Einflussfaktoren bei 122 gesunden und reif geborenen Säuglingen erforscht.
Überraschend war dabei der recht hohe Anteil der Kinder mit funktioneller Obstipation, Bei 23 von 104 Kindern – immerhin 22 %aller untersuchten Kinder - wurde eine solche Diagnose erhoben. Im Durchschnitt waren die Kinder dabei 0,9 Jahre alt. Drei Kinder waren aber auch jünger als zwei Monate, bei acht wurde hingegen der Befund erst wischen dem ersten und dem 2,5. Lebensjahr erhoben. Unabhängig vom Alter konnte bei allen betroffenen Kinder harte und/oder schmerzhafte Stuhlgänge nachgewiesen werden. Bei über drei Viertel aller Kinder kam es lediglich zu zwei oder weniger Stuhlgängen pro Woche, wobei ein ausgeprägtes Zurückhalten des Stuhls bei Kindern ab einem Jahr besonders ausgeprägt war.
Überraschend war zudem, dass beim letzten Follow-up im Alter von durchschnittlich 2,7 Jahren sieben von zehn Kindern weiterhin medikamentös behandelt wurden. Mehr als ein Viertel der Kinder erlitt – trotz zunächst erfolgreicher Therapie – zudem erneut einen Rückfall.
Als einziger protektiver Einflussfaktor stellte sich das Stillen in den ersten zwei Lebenswochen heraus. Diese Maßnahme reduzierte die Wahrscheinlichkeit signifikant, später eine funktionelle Obstipation zu erleiden. Andere in diesem Zusammenhang häufig genannte vorbeugende Maßnahmen – etwa demografische Faktoren oder das Alter bei der Erstverabreichung fester Nahrung – konnten in dieser Studie nicht verifiziert werden.
Raimund Schmid
