Eine Studie mit Kindern von Patientinnen mit Epilepsie untersuchte den Zusammenhang zwischen pränataler Exposition gegenüber anfallssupprimierenden Medikamenten (ASM) und neurologischen Entwicklungsstörungen.

Anhand einer Kohortenstudie mit Kindern von Patientinnen mit Epilepsie konnte ermittelt werden, dass eine pränatale Exposition gegenüber Valproinsäure das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen sowie psychiatrische Erkrankungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) und Intelligenzminderung signifikant erhöht. Weitere anfallssupprimierende Medikamente (ASM) wie ­Zonisamid, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Topiramat und Lamotrigin waren mit geringeren bzw. unklaren Zusammenhängen in Bezug auf neuro­logische Entwicklungsstörungen assoziiert.

Aus der Untersuchung ergibt sich, dass ein pränataler Einsatz einer antiepileptischen Medikation sehr streng indiziert ist.

Kommentar:
Die Untersuchung bestätigt Ergebnisse von anderen Studien. ASM gehen mit einem erhöhten Risiko für postnatale neurologische Entwicklungsstörungen einher, wenn die werdenden Mütter diese während der Schwangerschaft einnahmen. Unklar ist, ob der Verzicht auf eine anfallssupprimierende Medikation zu einem deutlich günstigeren Verlauf unter Inkaufnahme von vermehrten zerebralen Krampfanfällen führt. Die Frage der Behandlung von schwangeren Epileptikerinnen bleibt schwierig.

Literatur
Straub L et al. (2026) Prenatal antiseizure drug exposure and risk of neurodevelopmental disorders in children: population based cohort study. BMJ 392: e085725. doi: 10.1136/bmj-2025-085725


Autor
Univ.-Prof. Dr. med. Markus Knuf


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (3) Seite 170