Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit der Wanderurlaube in den Sommerferien. Wer mit Kindern und Jugendlichen dabei auf Bergen hoch hinaus will, sollte jedoch nicht nur an den Schutz vor Sonnenstrahlung, Hitze oder Kälte denken, sondern auch an ein Phänomen, das häufig stark unterschätzt wird: die Höhenkrankheit.

Um diesem Phänomen vorzubeugen, ist zunächst einmal zu einem spielerischen, kindgerechten und damit vor allem langsamen Aufstieg zu raten. Denn der Körper muss sich akklimatisieren und an den Sauerstoffmangel gewöhnen. "Diese Anpassungsvorgänge benötigen Zeit, die man gerade bei Kindern in besonderer Weise einplanen muss, sagt “ Dr. Eike Plazikowski aus Garmisch-Partenkirchen, Notfallmediziner und Vorstandsmitglied der deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin. Denn abgesehen von den Risiken durch UV- und Kälteexposition sind Kinder in der Regel anfälliger für die Höhenkrankheit als Erwachsene.

Mit Vorschulkindern sollten Aufstiege auf 3000 bis 4000 Höhenmeter ganz vermieden werden. Zudem sollte die Schlafhöhe möglichst unter 2500 Meter gehalten werden, Kinder unter einem Jahr, die sonst im Flachland leben, sollten nicht über einer Höhe von 1600 Metern schlafen. Die drei häufigsten Krankheiten, die auftreten können sind: akute Bergkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS), Höhlenlungenödem (High Altitude Pulmonary Oedema, HAPE) und Höhlenhirnödem (High Altitude Cerebral Edema, HACE). AMS-Symptome können sein: Schwindel, Müdigkeit, Erschöpfung, Übelkeit, Appetitverlust, Kopfschmerzen und Schlafprobleme.

Bei offenkundig auftretenden AMS-Symptomen gibt es für Plazikowski nur eine Therapie: den sofortigen Abstieg runter vom Berg. Und noch einen Tipp hat der erfahrene Unfallchirurg für die Pädiater an alle Bergsteiger-begeisterten Eltern parat: Niemals einen Höhenauf- oder -abstieg mit Auto oder Seilbahn mit kranken Kindern in Erwägung ziehen! Denn der Druckwechsel wirke sich auf angeschlagene Kinder ganz besonders stark aus.


Raimund Schmid

Quellen:
1. Centrum für Reisemedizin (CRM). Vortrag: Kinder in großen Höhen. E. Plazikowski. 27. Forum Reise und Gesundheit. 06.03.2026
2. International Mountaineering and climbing Federation (UIAA Medical). Empfehlung. Notfallmanagement bei akuter Höhenkrankheit (AMS), Höhenlungenödem (HAPE) und Höhenhirnödem (HAPE). Stand Juni 2009