Ein Schlaganfall im Kindesalter wird oft zu spät erkannt, weil es im Gegensatz zum Erwachsenenalter mitunter am Bewusstsein für diese Krankheit fehlt. Dabei können auch im Kindesalter bestimmte Symptome auf einen Schlaganfall hindeuten. Dazu zählen eine kardiale Embolie, die arterielle Dissektion oder auch zerebrale Gefäßschäden aufgrund einer Infektion.

Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Datensammlung des HUS Helsinki University Hospitals, die auf Daten von 137 Kindern und Jugendlichen (43 % Mädchen) im Alter zwischen einem Monat und 18 Jahren basiert. Diese im Durchschnitt 7 Jahre alten Kinder hatten zwischen 2010 und 2023 einen Schlaganfall erlitten, was einer mittleren jährlichen Inzidenz von 2,5 pro 100.000 Kinder entspricht.

Welche Gründe waren dabei im Mittel am häufigsten für das Auftreten eines Schlaganfalls verantwortlich? Bei den untersuchten Kindern lagen den aufgetretenen Schlaganfällen idiopathische Ursachen in 18 % aller Fälle, eine Arteriopathie (16 %), eine größere Operation (13 %), eine kardiale Embolie (13 %) sowie eine Infektion in 12 % der Fälle zugrunde.

Doch es bestanden altersgruppenspezifisch eklatante Unterschiede: Während bei den Säuglingen unter einem Jahr idiopathische Fälle, Infektionen und Operationen als Ursachen (jeweils 18 %) gleich verteilt waren, lagen bei Kindern zwischen einem und fünf Jahren die Arteriopathien mit 26 % weit vorne. Auch bei den 6- bis 12-Jährigen war die Arteriopathie mit 19 % die häufigste Ursache, während bei den 13- bis 17-Jährigen die idiopathisch bedingten Ursachen mit einem Anteil von 23 % eindeutig an erster Stelle lagen. Bei gut jeden dritten Fall war mehr als eine Ursache für das Auftreten des Schlaganfalls verantwortlich.

Die langfristigen Auswirkungen sind äußerst schwerwiegend. Nach einem Jahr waren rund 31 % aller Schlaganfall-Kinder von einem schweren motorischen Defizit betroffen, 22 % von einem leichteren Defiziten. Zudem wurde bei 34 % eine leichte und bei 24 % eine schwere neuropsychologische Störung diagnostiziert. Besonders wichtig für Pädiater ist die Erkenntnis aus der Datenerhebung, dass schwere Schäden insbesondere bei Schlaganfall-Ereignissen bei Kindern unter einem Jahr auftraten. Daher gilt es umso mehr, bei den genannten typischen wie auch bei den eher untypischen Symptomen wie Krampfanfällen gerade bei Kindern im ersten Lebensjahr auch an einen Schlaganfall zu denken.


Raimund Schmid

Quelle: Leinonen JV et al. Multifactorial Nature of Childhood Stroke Presents a Major Challenge for Diagnosis and Management: A Population-Based Study From Southern Finland. Acta Paediatr. 2026 Jul 1. doi: 10.1111/apa.70667