Die Leitlinie zur „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ wurde vorzeitig in Bezug auf die medikamentöse Therapie aktualisiert. Sie enthält nun Empfehlungen zu GLP-1-Rezeptoragonisten.

Hintergrund der Aktualisierung ist eine substanzielle Veränderung der wissenschaftlichen Evidenzlage, wie die Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) ein einer gemeinsamen Pressemeldung erklären. „Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigen klinisch relevante Effekte einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten auf Körpergewicht und kardiometabolische Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas. Gleichzeitig liegen Zulassungen für das Jugendalter vor. Vor diesem Hintergrund war ein Abwarten bis Anfang 2027 fachlich nicht vertretbar“, erklärt Leitlinienkoordinator Professor Dr. Martin Wabitsch.

Die Gesamtüberarbeitung der Leitlinie ist weiterhin für Januar 2027 vorgesehen. Mit der vorzeitigen Teilaktualisierung soll jedoch sichergestellt werden, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Therapie-Entscheidungen auf Grundlage des aktuellen medizinischen Stands treffen.

Empfehlungen für GLP-1-Agonisten

Die Leitliniengruppe unter Federführung der DGKJ und DAG hat zwei neue Empfehlungen verabschiedet:

  • Bei Adipositas kann eine medikamentöse Therapie ab dem zugelassenen Mindestalter als Ergänzung einer leitliniengerechten Lebensstilintervention in Betracht gezogen werden.
  • Bei Kindern und Jugendlichen mit extremer Adipositas (> 99,5. Perzentil) und anhaltender Gewichtszunahme sollte die medikamentöse Therapie in spezialisierten Zentren unter klar definierten Kriterien erwogen werden.

Die medikamentöse Therapie bei Adipositas im Kindes- und Jugendalter stellt laut DGKJ und DAG eine individuell zu prüfende Option dar. Das deutlich erhöhte Krankheits- und Progressionsrisiko bei extremer Adipositas rechtfertige jedoch eine stärker gewichtete Empfehlung. „Eine medikamentöse Therapie stellt hier eine relevante Alternative zur bariatrisch-chirurgischen Therapie dar“, so Prof. Wabitsch.

Keine Lifestyle-Intervention

Die Kostenübernahme für GLP-1-Agonisten zur Behandlung der Adipositas wird derzeit häufig unter Verweis auf den „Lifestyle-Paragrafen“ (§ 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V) abgelehnt. „Die aktuelle Evidenzlage zeigt deutlich, dass es sich nicht um eine Lifestyle-Intervention handelt, sondern um die Behandlung einer chronischen Erkrankung“, betont Dr. Stephanie Brandt-Heunemann, Leiterin der Methodengruppe.


Red.

Quellen:
1. DGKJ und DAG. Pressemeldung: Neue Empfehlungen zur medikamentösen Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas. 06.05.2026
2. S3-Leitlinie Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter, Überarbeitung des Kapitels „Zusätzliche medikamentöse Therapie“ (Konsultations-fassung)