Das Post-COVID-19-Syndrom trägt wesentlich zur langfristigen Morbidität nach einer Infektion mit dem Coronavirus bei. In einer Kohortenstudie wird nun untersucht, ob die frühzeitige Einnahme oraler antiviraler Medikamente mit einem geringeren Risiko für ein Postinfektionssyndrom bei ambulant behandelten COVID-19-Patienten verbunden ist.
In einer primären Analyse (ANCHOR-01), welche bereits publiziert wurde, konnten 7.699 ambulante Patientinnen und Patienten im Alter von zwölf Jahren oder älter mit laborbestätigter COVID-19-Erkrankung und Symptombeginn innerhalb von fünf Tagen zwischen Februar und Oktober 2024 in 51 Akutkrankenhäusern in Japan eingeschlossen werden.
Es erfolgte dann eine Nachbeobachtungsperiode bis Februar 2025. 2.181 Patientinnen und Patienten erhielten bei Studieneinschluss orale antivirale Medikamente (Ensitrelvir, Nirmatrelvir oder Molnupiravir), während 5.518 Studienteilnehmende keine antivirale Behandlung erhielten. Die klinische Ausprägung der COVID-19-Infektion war bei 98,7 % der Teilnehmenden mild. Die meisten hatten zwei oder mehr Impfstoffdosen erhalten (89,6 %).
Das Forschungsteam konnte herausarbeiten, dass Patientinnen und Patienten, die antivirale Medikamente erhielten, älter waren und über mehr Komorbiditäten verfügten. Der primäre Endpunkt der Studie wurde definiert als Fortbestehen von einem oder mehr von fünf zuvor festgelegten Symptomen, wie Husten, Atemnot, Malaise, Riechstörung oder Geschmacksstörung, welche sowohl am Tag 28 als auch am Tag 84 berichtet wurden. Im Vergleich zu keiner antiviralen Behandlung ließ sich für die therapierten Studienteilnehmenden eine relative Reduktion des Postinfektionsrisikos von 14 % ermitteln. Die Ergebnisse waren konsistent für alle drei eingesetzten antiviralen Medikamente: Beim separaten Vergleich einzelner antiviraler Medikamente mit der Gruppe ohne antivirale Therapie waren Ensitrelvir und Molnupiravir mit einem geringeren Risiko für PIS verbunden. Bei Nirmatrelvir sprachen die Punktschätzungen für den Einsatz von Nirmatrelvir. Der Zusammenhang erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.
Mit der nachfolgenden Studie (ANCHOR-02) wurde untersucht, ob der frühzeitige Einsatz antiviraler Medikamente Postinfektionssymptome verhindern kann. Die Folgestudie brachte hervor, dass die Anwendung antiviraler Medikamente mit niedrigeren Raten eines Nichterreichens des üblichen Gesundheitszustandes assoziiert war. Eine zusätzliche Antibiotikaverordnung verblieb ohne Effekt.
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (4) Seite 252
