Bei den meisten Kinder, bei denen keine schwere Krankheit vorliegt, machen sich die Eltern oft grundlos Sorgen. Sind Kinder hingegen tatsächlich schwer erkrankt, haben die Eltern häufig den richtigen Riecher und bangen zu Recht um ihr Kind.

Das ist das Ergebens einer Erhebung der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin der finnischen Universitätsklinik Oulu. Um das herauszufinden, legten die Forschenden den Eltern, die mit ihrem Kind in die Notaufnahme kamen, vor der medizinischen Abklärung einen Fragenkatalog vor, in dem unter anderem Fragen über den Grad der Sorgen der Eltern oder die Schwere der Erkrankung angegeben werden sollten. Zu schwerwiegenden Erkrankungen zählten dabei unter anderem solche, bei denen eine Einweisung auf die pädiatrische Intensivstation erfolgen musste oder eine stationäre Behandlung von mehr als 24 Stunden erforderlich war, oder auch solche, bei denen ein Bedarf an inhalativer Medikation bestand oder ein anaphylaktischer Schock auftrat sowie eine chirurgische Intervention notwendig war. In die Auswertung gingen Daten von 2.375 Kindern und Jugendlichen (mittleres Alter 5,4 Jahre) ein, von denen knapp ein Viertel (23,9 %) ein oder mehrere Kriterien für eine schwere Erkrankung erfüllten.

Ergebnis

Bei mehr als 80 %der nicht schwer erkrankten Kinder gingen die Eltern von einer schweren Erkrankung aus und waren daher in unnötiger Weise besorgt über den Zustand ihres Kindes. Auf das elterliche Bauchgefühl war in diesen Fällen kein Verlass. Ganz anders sieht das Ergebnis aus, wenn Kinder wirklich schwer krank waren. Dann passte nach den Ergebnissen der Studie die elterliche Sorge in den meisten Fälle zur Schwere der Erkrankung des Kindes, jedoch mit nur geringer Spezifität. Dennoch könnte hier die Besorgnis der Eltern auch für die pädiatrische Praxis als erster Screening-Indikator dienen. Unabdingbar für Diagnose und Therapie seien aber dennoch eindeutige klinische Indikatoren und objektiv erhobene Parameter, erklärten die finnischen Wissenschaftler abschließend.


Raimund Schmid

Quelle:Pöyry H et al. Parental Ability to Identify Severe Illnesses in Their Children. JAMA Netw Open. 2026 Feb 2;9(2):e2559998. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.59998