Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte betreuen immer mehr Familien, die bewusst auf ganze Lebensmittelgruppen verzichten und sich vegetarisch, vegan oder flexitarisch ernähren. Da auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Nährstoffversorgung bei restriktiven Kostformen vorliegen, hat die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ihre Empfehlungen zu diesen Ernährungsformen aktualisiert.
Vegetarische und vegane Ernährung hat sich in Deutschland vor allem auch bei jungen Menschen etabliert. Nach dem aktuellen Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geben 14 % der 14- bis 29-Jährigen an, sich vegetarisch zu ernähren. Tendenz – auch bei veganen Ernährungsformen – steigend!
Gerade vegane Ernährungsformen im Kindes- und Jugendalter erfordern erhöhte Aufmerksamkeit durch Kinder- und Jugendärzte. Denn je einseitiger oder stark einschränkend eine Ernährungsweise ist, desto höher ist das Risiko von Nährstoffdefiziten bis hin zur Unterversorgung , begründet Prof. Dr. Silvia Rudloff, Mitautorin der Stellungnahme und aktiv in der DGKJ-Ernährungskommission.Je mehr tierische Lebensmittel ausgeschlossen werden, desto höher ist das Risiko einer Unterversorgung mit Nährstoffen, die nur in tierischen Lebensmitteln vorkommen.
Die DGKJ rät insbesondere bei den Vitaminen B12, Eisen, Jod, Calcium, Vitamin D sowie den Omega-3-Fettsäuren zu einer strukturierten medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Begleitung in Form ergänzender Gaben dieser Vitamingruppen durch Pädiater. Eine Supplementierung mit Vitamin B12 ist bereits bei vegetarischer Ernährung besonders wichtig. Bei veganer Ernährung ist diese zusätzliche Verabreichung sogar zwingend erforderlich. Vorsicht ist auch beim Konsum vermehrter pflanzlicher Ersatzprodukte geboten. Pflanzendrinks sind beispielsweise nur dann unbedenklich, wenn sie mit Calcium angereichert sind.
Es gibt bisher nur wenige Studien zum Wachstum bei vegetarisch oder vegan ernährten Kindern. In einer deutschen Studie(VeChi-Studie) zeigte sich bei Jungen aller Altersgruppen mit vegetarischer und veganer Ernährung ein Trend zu geringerer Körperlänge, nicht jedoch bei Mädchen. In einer kanadischen Langzeitstudie mit Kindern im Alter von 6 Monaten bis 8 Jahren war bei den vegetarisch ernährten Kindern das Risiko für Untergewicht erhöht. Von pädiatrischer Seite sollten daher eine ausführliche Ernährungsanamnese und regelmäßige Wachstumskontrollen anhand von Gewicht, Körpergröße und Body-Mass-Index (BMI) erfolgen. Klinische und gegebenenfalls auch laborchemische Kontrollen können mögliche Mangelzustände aufzeigen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung durch geschulte Fachkräfte oder in diesem Sektor geschulte Pädiater selbst ist anzuraten.
Die aktualisierte Stellungnahme enthält zudem konkrete Empfehlungen für die kinder- und jugendärztliche Praxis, darunter strukturierte Fragenkataloge für die Früherkennungsuntersuchungen („U-Untersuchungen“) im Kindes- und Jugendalter.
Katharina Maidhof-Schmid
