Welche Faktoren stärken die Teamqualität und Kommunikation in sektorenübergreifenden Versorgungsnetzen von Kindern mit chronischen Erkrankungen? Kerstin Bohnert und Michael Eichinger wurden für die Vorstellung erster Ergebnisse der PICAR-Studie mit dem Posterpreis der DGSPJ ausgezeichnet.

Kinder- und Jugendärzte begleiten zahlreiche Kinder mit chronischen Erkrankungen und ihre Familien. Neben ihnen sind häufig weitere Fachärzte, Therapeuten, Bildungseinrichtungen sowie Sozial- und Jugendämter an der Versorgung beteiligt. Damit die Zusammenarbeit zwischen allen gelingt, sind eine gute Teamqualität und eine verlässliche Kommunikation innerhalb der komplexen Versorgungsnetze entscheidend. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, welche Faktoren die Zusammenarbeit stärken oder erschweren.

Die PICAR-Studie liefert hierzu erstmals differenzierte Einblicke aus Sicht betroffener Familien. Kerstin Bohnert und Michael Eichinger haben erste Ergebnisse darüber anlässlich der Jahrestagung der DGSPJ 2025 in Berlin in einem Poster zusammengefasst und dafür einen von zwei Posterpreisen erhalten. Befragt wurden bundesweit Erziehungsberechtigte von Kindern zwischen 3 und 15 Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1, Asthma bronchiale, Entwicklungsstörungen, Verhaltens- und emotionalen Störungen sowie Zerebralparesen, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Die Ergebnisse zeigten Unterschiede darin, wie Teamqualität und Kommunikation erlebt wurden. Erziehungsberechtigte mit Migrationsgeschichte oder Alltagseinschränkungen aufgrund eigener chronischer Erkrankungen sowie Erziehungsberechtigte von älteren Kindern nahmen die Abstimmung innerhalb der Versorgungsnetze als unzureichender wahr als die jeweiligen Vergleichsgruppen. Zudem bewerteten Erziehungsberechtigte von Kindern mit Diabetes die Zusammenarbeit besser als Familien von Kindern mit Entwicklungsstörungen. Die Netzwerkgröße zeigte hingegen keinen konsistenten Einfluss.

Die PICAR-Studie verdeutlicht, dass gute Teamqualität und Kommunikation innerhalb der oftmals komplexen Versorgungsnetze Familien unterschiedlich erreichen. Die Ergebnisse bieten wertvolle Ansatzpunkte, an welchen Stellen die sektorenübergreifende Zusammenarbeit gezielt verbessert werden kann und welche Familien besonders auf entsprechende Anpassungen angewiesen sind.

PDF aller preisgekrönten Poster

Autorin:
Kerstin Bohnert
Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Alte Brauerei, Röntgenstraße 7, 68167 Mannheim
Weitere Autoren:
Michael Eichinger, Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (2) Seite 146