Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) unterstützt die Forderung nach bundesweiten, gesetzlich verankerten und dauerhaft finanzierten Schulgesundheitsfachkräften(SGFK)/School Nurses an allen Schulen.

Denn: Lehrkräfte, Schulsekretariate und Eltern könnten den steigenden Bedarf gesundheitlicher Unterstützung gerade für Kinder mit chronischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen nicht dauerhaft auffangen.

Der jüngst auf einer Pressekonferenz der DDG vorgestellte Expertenbericht fasst internationale Studien, die Ergebnisse deutscher Modellprojekte und gesundheitsökonomische Analysen zusammen: So zeigt eine Modell-Erhebung an 24 Grundschulen in Rheinland-Pfalz nach 12 Monaten Verbesserungen bei der Gesundheitskompetenz um 75 %, bei der Früherkennung gesundheitlicher Probleme um 90 % und bei der Versorgung chronisch kranker Kinder um 88 %.

In hessischen Gymnasien gingen Rettungswageneinsätze im Rahmen der Modellprojekte um 46 % zurück, in Gesamtschulen sogar um 64 %. An Schulen mit School Nurse lagen die Heilbehandlungskosten pro Unfall im Durchschnitt 14 % niedriger als an Vergleichsschulen. Für ein modelliertes Szenario bei Typ-1-Diabetes stellte sich heraus, dass für jeden investierten ­Euro bis zu 35 Euro an gesellschaftlichen Nutzen heraussprangen. Bei einer psychischen Erkrankung flossen pro investiertem Euro sogar 43 Euro zurück.

Diese Ergebnisse untermauern die Forderung nach einer bundesweit und gesetzlich verankerten SGFK. In Belgien, einem Land mit 12 Millionen Einwohnern, sind bereits 3.300 SGFK aktiv. In Deutschland sind es derzeit gerade einmal gut 150. Da besteht also eklatanter Nachholbedarf!

Weitere Informationen im Pressebereich der DDG-Webseite.

Kommentar: Prävention braucht neuen Schub!
Prävention sollte bereits in der Lebenswelt der Kinder beginnen – etwa in der Schule. Das zeigt einmal mehr die bisherige Bilanz der Einsätze von Schulgesundheitsfachkräften (SGFK). Doch deren Stärkung und Ausweitung, die zu Recht eingefordert wird, kann erst ein Anfang sein. Was wir darüber hinaus brauchen, ist eine Gesetzgebung, die Prävention insbesondere im Kindesalter generell stärkt. Das Gesundheitsministerium will hier auf Bundesebene gesetzgeberisch aktiv werden, hört man aus gut informierten gesundheitspolitischen Kreisen in Berlin. Dieser Schub für die Prävention ist überfällig und – in Zeiten leerer Kassen – mutig, aber auch alternativlos! Die (Sozial-)Pädiatrie in Deutschland sollte die Gunst der Stunde nutzen und sich dabei mit klugen und praxisnahen Vorschlägen rasch und hörbar ins Spiel bringen.


Autor:
© Hartmut Kreutz
Raimund Schmid


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (5) Seite 326