In den USA haben 19 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 21 Jahren 2025 mindestens einmal einen Chatbot um Rat gefragt, um ihre psychischen Probleme lösen zu können. Das sind 6 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Fast jeder Zweite (43 Prozent) nutzt die KI hierzu sogar monatlich, 11 Prozent wöchentlich.
Dieser Trend geht aus Ergebnissen eines repräsentativen Befragungspanels mit über 1.700 Personen im Alter von 12 bis 21 Jahren (American Life Panel) vom Think Tank RAND in Arlington hervor, die nach Darstellung der Initiatoren des US-Panels rund 43 Millionen US-Bürger dieser Altersgruppe repräsentieren. Danach rücken Chatbots – auch als Folge fehlender Therapieplätze oder zu wenig enger Freunde – immer häufiger zur ersten Anlaufstelle bei psychischen Problemen in dieser Altersgruppe auf. Eine vor kurzem veröffentlichte – jedoch nicht repräsentative – Umfrage aus Deutschland kommt sogar auf noch viel höhere Werte. Nach den Ergebnissen dieser Erhebung haben hierzulande bereits zwei Drittel der Personen unter 40 Jahren schon einmal einen Chatbot in Anspruch genommen, um sich über psychische Probleme auszutauschen. im Vergleich mit einem Therapeuten wird diese emotionale KI-Unterstützung als ähnlich gut oder sogar besser angesehen.
Die wesentlich fundierteren Daten aus den USA haben im Detail folgende Erkenntnisse gebracht:
- Frauen und Mädchen nutzen diesbezüglich Chatbots signifikant häufiger als Männer und Jungen (25% weiblich, 14% männlich). Besonders häufig konsultieren junge Menschen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren die KI.
- Überrascht hat die Forscher die Tatsache, dass in dieser Altersspanne auch die Jugendlichen und Adoleszenten überproportional häufig Chatbots nutzen, die schon mal zuvor mit ihren Ärzten über ihre psychischen Probleme gesprochen hatten. Bei 28 % der Befragten war dies der Fall.
- Erstaunlich ist auch die Erkenntnis, dass 25 % der Befragten die KI-Konsultation als sehr hilfreich und 67 % als etwas hilfreich bewerteten. Wenig überraschend hingegen ist die Erkenntnis, dass fast zweit Drittel der jungen Menschen die Nutzung eines Chatbots für sich behielten.
Fazit
Chatbots werden inzwischen ähnlich häufig zu psychischen Problemen junger Menschen konsultiert wie Ärzte und Therapeuten. Das kann in leichteren Fällen durchaus hilfreich sein. Die Forscher in den USA und auch hierzulande warnen jedoch dringend davor, Chatbots auch bei gravierenden psychischen Problemen als Ersatz für eine (Selbst)-Therapie zu nutzen. Dafür sei die KI in keiner Weise ausgelegt und daher ungeeignet.
Raimund Schmid
