Kinder und Jugendliche, die von atopischer Dermatitis (AD) betroffen sind, weisen mit einer Rate von 17 % ein deutlich höheres Risiko für psychische Leiden auf als Gleichaltrige ­ohne AD (6 %).

Das ist das sehr eindeutige Ergebnis einer großen Kohortenstudie, die ein Team von der Universität Krakau in Polen durchgeführt hat. Beteiligt daran waren junge Menschen im Alter von 10 bis 18 Jahren, bei denen zwischen 2015 und 2025 erstmals eine AD diagnostiziert worden war (n = 263.469) und die einer gleich großen Vergleichsgruppe gegenübergestellt wurden.

Bei den einzelnen Diagnosen sahen die Korrelationen wie folgt aus: Angststörungen (7,7 % AD-Betroffene versus 2,8 % nicht Betroffene), Depression (2,9 versus 1,1 %) und Schlaf­störungen (6,9 versus 4,6 %). Erwartungsgemäß variierten die jeweiligen Diagnosen auch in dieser großen polnischen Studie in Abhängigkeit vom Geschlecht. Weibliche Jugendliche mit AD waren einem höheren Risiko für Suizidalität, Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und Selbstverletzungen ausgesetzt, männliche Jugendliche für ADHS und externalisierende Symptome.

Die Gründe für diese signifikanten Differenzen sind vielschichtig und könnten folgende Ursachen haben:

  • Der mit der AD assoziierte und verstärkt auftretende quälende Juckreiz, der die Schlafqualität verschlechtert und so das Risiko für seelische Erkrankungen erhöhen kann.
  • Die Sichtbarkeit von Hautläsionen, die soziale Stigmatisierungen und emotionale Belastungen verstärken und so ­Beziehungen zu Gleichaltrigen beeinträchtigen und Niedergeschlagenheit und Rückzug befeuern.
  • Das vermehrte Auftreten von Scham, Frustration und vermindertem Selbstvertrauen von AD-Betroffenen, was wiederum zu mehr Depressionen und selbstverletzendem Verhalten führen kann.

Die polnischen Wissenschaftler fordern daher, psychische Belastungen bei jungen Menschen mit AD standardisiert zu screenen und in gravierenden Fällen frühzeitig auch auf psychiatrische Unterstützung zurückzugreifen.



Autor
© Hartmut Kreutz
Raimund Schmid


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (4) Seite 248