2026 muss das Jahr der Prävention werden! Das fordert das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ein. Symbolisch soll hierfür die Einführung einer Zuckersteuer stehen, für die sich neben DANK viele weitere – die Bundesärztekammer und auch pädiatrische Vereinigungen – vehement einsetzen.

Die Sprecherin des Bündnisses, Barbara Bitzer, begrüßt in diesem Zusammenhang die Initiative von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der nun als führender Politiker im Land selbst eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke fordert. Mit über 40 Kilogramm pro Kopf und Jahr erreicht der Zuckerkonsum hierzulande inzwischen ein Rekordniveau. Doch wie könnte eine solche Steuer aussehen? 3 Eingruppierungen wären hierfür denkbar:

  • Produkte mit einem Anteil Zucker von unter 5 % wie Milchprodukte oder Getränke (unter 2,5 % Zuckeranteil) wie Sojadrinks blieben steuerfrei.
  • Produkte mit einem Zuckeranteil von 5 bis 14 % (bei Getränken von 2,5 bis 7 %) würden mit 40 % besteuert (etwa Softdrinks oder Fruchtjoghurts).
  • Fertigprodukte mit einem Zuckergehalt (deutlich ) über 40 % (Ketchup, Süßigkeiten) würden mit 80 % besteuert.

Die positive Lenkungswirkung vergleichbarer Verbrauchssteuern wie der Alkopopsteuer von 2004 ist laut DANK empirisch belegt. Einnahmen aus der Zuckersteuer sollten zweckgebunden für Präventionsmaßnahmen verwendet werden, unter anderem dann auch für die Etablierung von Werbebeschränkungen für zuckerhaltige Fertigprodukte und Softdrinks oder auch für verbindliche Qualitätsstandards für gesundes Essen in Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche an einer Gemeinschaftsverpflegung teilnehmen.

Kommentar: Nicht lockerlassen!
Bei der Prävention schneidet Deutschland miserabel ab. Im Public Health Index steht Deutschland in Europa auf Platz 17 von 18 untersuchten Staaten. Das trifft Kinder und Jugendliche ganz besonders, weil häufig schon sehr früh die falschen Weichen gestellt werden. Jetzt soll es 2026 – ganz im Sinne auch der pädiatrischen Verbände – die Zuckersteuer richten. Doch ist das realistisch, da im Koalitionsvertrag die Zuckersteuer gar nicht vorkommt? Vielleicht schon, da es ja selbst aus dem Kanzleramt heißt, die Koalitionsvereinbarungen in unserer schnelllebigen Zeit stets neuen Realitäten anzupassen. Und die Realität 2026 ist: zu viele zu stark zuckerhaltige Produkte für Kinder, eine hochprofitable Süßwarenindustrie und immer mehr übergewichtige Kinder. Fazit: Was bei den Schulden und der Aufrüstung geht, sollte doch auch für eine bessere Kindergesundheit politisch möglich sein. Also nicht lockerlassen!


Autor
© Hartmut Kreutz
Raimund Schmid


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (2) Seite 98