Bereits die Zunahme des Energieanteils in Höhe von 10 Prozent in Form von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln war in einer großen kanadischen Kohorte bei dreijährigen Kindern mit mehr Verhaltens- und emotionalen Auffälligkeiten im Vorschulalter assoziiert.

Ultrahochverarbeitete Lebensmittel (ultra processed foods, UPF) sind industriell hergestellte Produkte, die aus einer Vielzahl an Zutaten bestehen und einen hohen Fett-, Zucker- oder Salz-Gehalt aufweisen, während sie zugleich nur eine geringe Menge an essenziellen Nährstoffen und Ballaststoffen enthalten. Im Kindesalter tragen sie heute zu einem erheblichen Teil der täglichen Energiezufuhr bei. Dass diese Nahrungsmittel einen Einfluss auf das Verhalten ausüben können, wird bereits seit einiger Zeit vermutet.

Studie untersucht Zusammenhang

Eine Forschungsgruppe von der University of Toronto analysierte nun genauer den möglichen Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel im Alter von drei Jahren und dem Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten im Alter von fünf Jahren. Im Rahmen der mehrjährigen Kohortenstudie wurden die Daten von 2.077 Kindern aus der kanadischen CHILD Cohort Study herangezogen, die zwischen September 2011 und April 2018 erhoben wurden. Die CHILD-Studie ist eine longitudinale, multizentrische, bevölkerungsbasierte Kohortenstudie, die insgesamt 3.621 schwangere Frauen umfasst, die zwischen 2008 und 2012 an vier Studienstandorten in Zentral- und Westkanada rekrutiert wurden.

Die Eltern beantworteten hierfür einen Ernährungsfragebogen mit 112 Fragen. Ultrahochverarbeitete Lebensmittel lieferten im Alter von drei Jahren durchschnittlich 45,5 % der aufgenommenen Energie. Die wichtigsten Kategorien waren Süßigkeiten und Desserts (12,5 %), Brot- und Getreideprodukte (11,9 %), tierische Produkte (7,9 %) und Gerichte zum Aufwärmen (6,1 %).

Die Verhaltensentwicklung der Kinder wurde im Alter von fünf Jahren mit der sogenannten Child Behavior Checklist (CBCL) bewertet. In der Analyse wurden sowohl internalisierende Symptome (Ängste, Depressionen, sozialer Rückzug) als auch externalisierende Symptome (Aggression, Impulsivität, delinquentes Verhalten) miteinbezogen. Höhere Punktwerte korrelieren mit ausgeprägteren Verhaltensproblemen; die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten.

Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und Verhaltensweisen korrelieren

Die durchschnittlichen CBCL-Werte beliefen sich auf 44,6 für internalisierende Verhaltensweisen, 39,6 für externalisierende Verhaltensweisen und 41,2 für das Gesamtverhalten. Es zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen einer Zunahme des Energieanteils aus hochverarbeiteten Lebensmitteln und einer Erhöhung der CBCL-Werte. Konkret zeigt sich ein Anstieg um 0,81 Punkte bei internalisierenden, 0,47 Punkte bei externalisierenden und 0,64 Punkte bei den Gesamtwerten. In den durchgeführten Berechnungen wurden umfassende Störfaktoren berücksichtigt, darunter etwa der Bildungs- und sozioökonomische Status der Eltern. Auch eine höhere Aufnahme gesüßter Getränke war mit höheren Werten für internalisierende Symptome sowie mit höheren Gesamtwerten verbunden. Zudem wurde ein Zusammenhang zwischen einem höheren Konsum von Brot- und Getreideprodukten sowie von verzehrfertigen oder aufzuwärmenden Gerichten und höheren internalisierten Werten festgestellt.

Bei einer Umstellung der Ernährung, bei der bereits 10 % der Energie aus ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln durch minimal verarbeitete Lebensmittel ersetzt wurden, sanken die Werte um 0,91 Punkte bei internalisierenden, 0,49 Punkte bei externalisierenden und 0,70 Punkte beim Gesamtverhalten.

Fazit

Die Substitution hochverarbeiteter Lebensmittel durch naturbelassene Nahrungsmittel im Vorschulalter kann eine günstigere Verhaltensentwicklung fördern und langfristig zur psychischen Gesundheit beitragen. Das Forschungsteam plädiert daher für politische Maßnahmen zur Förderung wenig verarbeiteter Lebensmittel sowie für früh ansetzende Ernährungsinterventionen im Kindesalter.


Katharina Maidhof-Schmid

Quelle: Kavanagh ME et al. Ultraprocessed Food Consumption and Behavioral Outcomes in Canadian Children. JAMA Netw Open. 2026 Mar 2;9(3):e260434. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2026.0434