In den Sommermonaten ist das Risiko für einen Suizid bei den 15- bis 24-Jährigen besonders hoch. In dieser Altersgruppe erhöht sich die Suizidrate mit jedem zusätzlichen Grad Celsius um 3 Prozent. Dieser Wert ist viermal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung (0,7 Prozent).
Darauf deuten jedenfalls neue Berechnungen für die USA hin , wie Forschende vom Texas Tech University Health-Sciences-Center in El Paso herausgefunden haben. Dafür haben sie Suizidzahlen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf Landkreisebene ausgewertet und mit Klimadaten korreliert.
Mögliche Gründe hierfür liefern die Studienautoren gleich mit: Die Temperaturregulation bei Kindern und Jugendlichen erfolgt wohl weniger gut als bei Erwachsenen, was den ohnehin bereits vorhandenen temperaturverstärkten Stress noch erhöht. Junge Menschen schwitzen weniger und verfügen zudem über ein ungünstigeres Oberflächen-Volumen-Verhältnis.
Die Forscher konnten dabei allerdings nur den Zeitraum von 1980 bis 2004 untersuchen, weil die CDC danach keine präzisen Suizidzahlen mehr für die einzelnen Landkreise lieferte. Die jüngsten vergangenen 20 Jahren blieben damit in der Studie unberücksichtigt. Trotzdem haben sie auch heute einen Aussagewert. In diesem Zeitraum von 1980 bis 2004 starben über 97.000 Menschen im Alter von 5 bis 24 Jahren (83 % davon männlich) durch Suizid. Das entspricht rund einem Suizid auf 200.000 Personen dieses Alters pro Monat. Im Monatsmittel stellte sich über das gesamte Jahr gesehen kein höheres Suizidrisiko für die 5- bis 24-jährigen. Bezogen auf die drei Sommermonate (Juli bis September) gab es jedoch gravierende Abweichungen: Unter jungen Menschen unter 15 Jahren stieg die Suizidrate ausschließlich in den drei Sommermonaten pro Anstieg um ein Grad Celsius über dem Monatsmittel um 2,7 % an. Bei den 15- bis 24-Jährigen war der Effekt mit plus 3,0 % pro Anstieg um ein Grad Celsius in den Sommermonaten besonders ausgeprägt. Dieser Effekt nahm jedoch in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen (1,4 %) wieder rasch und spürbar ab. Ein besonders warmer Herbst, Winter oder Frühling ließ die Suizidzahlen in dieser Altersgruppe dagegen nicht ansteigen.
Weitere Ergebnisse im Detail:
- Auf dem Land wirkte sich der Temperatureffekt im Sommer stärker aus als in den Städten (4,0 % versus 2,5 %).
- Bei Frauen und Mädchen war der Effekt noch ausgeprägter als bei Männern und Jungen (5,2 % versus 2,4 %).
- Der Sommereffekt war an der Ostküste der USA besonders ausgeprägt ( bis 7,7 % in den Neu-England-Staaten) und war dagegen an der Westküste gar nicht auszumachen.
Gesamtfazit
Übertragen auf die 43 Millionen 15- bis 24-Jährigen in den USA kommt es bei jedem zusätzlichen Grad über dem regionalen Sommermittel auf zwölf zusätzliche Suizide pro Monat. Hochgerechnet auf das ganze Land und unter Einbezug von immer höheren Temperaturen auch in den USA dürften nach Einschätzung der Wissenschaftler jährlich über 100 zusätzliche Suizide unter jungen Menschen auf immer höhere Sommertemperaturen zurückzuführen sein.
Raimund Schmid
