Nach einer multizentrischen, retrospektiven Kohortenstudie (READAPT-Kids) aus Kanada entwickelte mehr als jedes fünfte Kind mit einer akuten Infektion der Atemwege (ARI) eine schwere Folgeerkrankung. Die Studie wurde in zwei kanadischen Krankenhäusern durchgeführt. Der bedeutsamste Risikofaktor war die Verlegung zwischen zwei medizinischen Einrichtungen und das Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen.
Insgesamt wurden 2.585 Kinder, die zwischen dem 01. 07. 2022 und dem 30. 06. 2023 im „The Hospital for Sick Children“ in Toronto und dem „BC Children‘s Hospital“ in Vancouver stationär behandelt wurden, in die Untersuchung eingeschlossen. Das mediane Alter der Studienteilnehmenden betrug 2,5 Jahre. 59,7 % waren männlich und 50,6 % hatten mindestens eine chronische Erkrankung. Am häufigsten waren hier neurologische Vorerkrankungen (Entwicklungsstörungen, genetische Syndrome u. a.). Etwa 34 % wurden aus einem zuweisenden Krankenhaus stationär aufgenommen. Bei 90,2 % der Patientinnen und Patienten wurde eine virale Diagnostik durchgeführt (70,7 % positive Nachweise). Am häufigsten wurde RSV (30,4 %) positiv getestet, gefolgt von Entero- und Rhinoviren (25,6 %) sowie Metapneumoviren (8,4 %), Parainfluenza-, Influenza- und anderen Viren. Die Schwere der Folgeerkrankung wurde definiert an dem Bedarf nichtinvasiver oder invasiver mechanischer Beatmung. Insgesamt wurden 21,3 % (551 Kinder) einer (nicht-)invasiven Beatmung zugeführt. Die Gesamtmortalität betrug 1,4 %.
Die Autoren haben insbesondere das Vorliegen von zwei oder mehreren chronischen Erkrankungen gegenüber keiner Vorerkrankung als hohes Risiko für eine Verschlechterung nach akuter Atemwegsinfektion identifiziert (aRR = 1,62; 95%-KI 1,36 – 1,93). Ferner waren Verlegungen mit einem höheren Risiko verbunden.
Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2026; 97 (4) Seite 248
