Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche spielen in immer mehr Ländern eine größere Rolle. Meist geht es um Beschränkungen oder gar Verbote für eine Altersgruppe vom 13. bis 16. Lebensjahr. Zunehmend wird dabei auch erwogen, den Zugang zu Spieleplattformen und Chatdiensten zu begrenzen.
So hat die norwegische Regierung nun angekündigt, bis Ende des Jahres einen Gesetzentwurf vorzulegen, der ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige vorsieht und der dabei auch die die Videoplattform Tiktok, den Messengerdienst Snapchat und den Gaming-Anbieter Roblox einbezieht. Die Regierung sieht darin Plattformen, die „durch ihre Gestaltung, ihre Funktionen oder ihre Inhalte ein Risiko für die emotionale, kognitive Entwicklung oder die Gesundheit von Kindern oder für deren Sicherheit darstellen“. Den Grund hierfür liefert Familienministerin Lene Vagslid gleich mit. So gebe es vermehrt Plattformen, die sich als Spiele ausgeben, in der Praxis jedoch mit Funktionen wie algorithmischen Empfehlungssystemen und illegaler und speziell auf Kinder zielender Werbung überfrachtet seien.
In der Europäischen Union (EU) bemühen sich mehrere Länder, den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Onlinediensten einzuschränken. Griechenland will Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ab 1. Januar 2027 den Zugang zu sozialen Medien untersagen. Laut Regierung hat eine Befragung unter 2.500 Schülern ergeben, dass ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen selbst einräumen, soziale Medien übermäßig zu nutzen. Für eine EU-weite Lösung zum Schutz Minderjähriger im Internet hatte die EU-Kommission im September den EU Kids Act vorgelegt. Er sieht unter anderem ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige und eigene Konten erst ab 15 Jahren vor. Jugendliche ab 13 Jahren sollen danach „Mini-Konten“ nutzen dürfen, die von den Eltern eingerichtet und beaufsichtigt werden, mit begrenzten Funktionen und einer Beschränkung auf eine Stunde pro Tag. Über den Vorschlag beraten derzeit das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten.
Bis zum Beschluss der EU und dem Inkrafttreten von Social-Media-Beschränkungen oder Verboten sollen auch in Deutschland Plattformen wie TikTok, Snapchat oder Instagram für Kinder unter 13 Jahren nicht mehr nutzbar sein. Das Bundeskabinett hat sich zumindest auf entsprechende Eckpunkte für solche Übergangsregeln geeinigt. Problematische Nutzungsmuster in den sozialen Netzwerken würden tiefgreifende Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit, die schulischen Leistungen und die sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen nach sich ziehen, stellt die Bundesregierung fest. Hinzu kämen Gefahren durch Mobbing und Hassreden im Netz, die unkontrollierte Vermarktung von Gewalt- oder Missbrauchsabbildungen oder auch vermehrte Extremismus-Aufrufe.
Allerdings ist die Bundesregierung genauso wie andere EU-Staaten hier nur bedingt handlungsfähig. Denn eine verpflichtende Alterskontrolle durch die großen Plattformen kann ausschließlich die EU auf Grundlage ihrer dann europaweit gültigen Digitalgesetze durchboxen.
Raimund Schmid
Quellen:
1. EU-Kommission. Pressemitteilung: EU KIDS Act soll Zugang von Kindern in der EU zu Social-Media-Plattformen beschränken. 17.09.2026
2. BMBFSFJ. Pressemitteilung: Bundesregierung beschließt Eckpunkte für besseren Kinder- und Jugendmedienschutz. 14.10.2026
3. Norwegen will Social-Media-Verbot für Kinder auf Snapchat und Roblox ausweiten. Spiegel. 19.10.2026
