Ausreichender Schlaf steigert nach den Ergebnissen einer großangelegten norwegischen Querschnittsanalyse die Lebensqualität von zehn- bis zwölfjährigen Kindern bezüglich Zufriedenheit mit der Familie, Freundschaften sowie Gesundheit. Jedoch wird die altersgemäß empfohlene Schlafdauer oft nicht erreicht.

Das sind die genauso bemerkenswerten wie eindeutigen Ergebnisse einer großen Querschnittsanalyse aus Norwegen, in der Daten von 45.185 Kindern im Rahmen von Ungdata Junior 2024 - einer jährlich in Norwegen durchgeführten repräsentativen Erhebung – ermittelt und ausgewertet wurden. Die Schlafdauer wurde wie folgt gemessen und beurteilt: Die Einhaltung der Empfehlungen für eine Schlafdauer von 9 bis12 Stunden wurde einer Schlafdauer von weniger als 8 Stunden gegenübergestellt. Mittels logistischer Regressionen wurden Zusammenhänge unter Berücksichtigung von Geschlecht, Klassenstufe und Bildschirmzeit analysiert.

Die Ergebnisse im Detail

  • Nur 53 % der Kinder erreichten überhaupt die empfohlene Schlafdauer. Erwartungsgemäß hatten längere Bildschirmzeiten kürzere Schlafphasen zur Folge. Mit zunehmendem Alter nahm die Dauer des Schlafs signifikant ab. Während 64 % der Kinder in Klasse 5 noch ihr Schlafsoll erfüllten, waren es in der 7. Klasse nur noch gut 40 %.
  • Kinder mit ausreichendem Schlaf hatten eine nachweisbar signifikant bessere Lebensqualität und berichteten über höhere Schulzufriedenheit, ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl und verspürten weniger Langeweile.
  • Diese Korrelationen waren bei Mädchen relevanter als bei Jungen.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse liefern wichtige praktische Rückschlüsse für die kinder- und jugendärztliche Praxis. Generell wird das Thema Schlaf als wichtiger Faktor für Gesundheit, Lebensqualität und schulischen Erfolg im Kindesalter bislang offenbar stark unterschätzt. Mit der Zunahme der Bildschirmzeit auf diversen Kanälen hat diese Thematik zuletzt zusätzlich an Brisanz gewonnen. Die neue U10, die bald allen Kindern offensteht, kommt daher genau zur richtigen Zeit, das Thema Schlafdefizit mit all seinen Folgen für Kinder von Pädiatern frühzeitig zu thematisieren und bei Bedarf noch zu korrigieren.


Raimund Schmid

Quelle: Grasaas E, Ostojic S, Stea TH et al. Prior-night sleep duration and the relationship to quality of life and educational context in Norwegian pre-adolescents. BMC Pediatr 26, 482 (2026). doi: 10.1186/s12887-026-06830-6