Drei Botschaften prägen das Bild des Positionspapiers mit dem Titel „Kindeswohl in der Klimakrise – achten, schützen, gewährleisten,“ das von 81 Verbänden und Organisationen – unter anderem auch vom Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit – herausgegeben worden ist: den Klima- und Umweltschutz konsequenter durchsetzen, die Klimaanpassung weit stärker an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausrichten und junge Menschen in klimapolitische Entscheidungen stärker und verbindlicher einbinden.
„Klimapolitik ist immer auch Kinderrechtspolitik. Das Kindeswohl muss bei allen klimarelevanten Entscheidungen Vorrang haben“, bekräftigt zum Beispiel Sabine Andresen, Präsidentin des ebenfalls mit beteiligten Kinderschutzbundes. Einen anderen Aspekt beleuchtet Dirk Holzinger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstandsmitglied bei Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit Klug. „Als Kinder- und Jugendmediziner erlebe ich, wie eng die Gesundheit von Kindern mit ihren Umwelt- und Lebensbedingungen verbunden ist.“
Das Positionspapier ist angesichts des zurückliegenden überdurchschnittlich heißen Sommers hochaktuell. Hohe Temperaturen und Luftschadstoffe, so heißt es, könnten bereits während der Schwangerschaft das Risiko für Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Auch in der Kindheit hätten häufigere Hitzewellen, längere Pollensaisons und zunehmende Luftverschmutzung maßgeblichen Einfluss auf mehr Atemwegs- und Allergieerkrankungen wie Asthma, weitere hitzebedingte Beschwerden und – naturgemäß - zunehmende Dehydrierung.
Neben diesen physischen Auswirkungen werden laut Positionspapier auch die psychischen Folgen der Klimaerwärmung auf Lernergebnisse, Entwicklungshemmnisse und das psychische Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen bislang unterschätzt.
Vor allem aber, so bekräftigt Dr. Andreas Oberle, greife das Positionspapier zum ersten Mal speziell die Belange von Kindern auf, die ansonsten bei der Klimadebatte fast überhaupt keine Rolle spielten. Dieser Punkt wird dann auch in einem von Dr. Christof Wettach, Stellvertretender Sprecher der Kommission Globale Kindergesundheit, Klimawandel und Umwelt im Bündnis für Kinder- und Jugendgesundheit unterzeichneten Schreiben an Thorsten Frei, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, besonders herausgestellt. So heißt es darin unter anderem: „Kinder und Jugendliche sind von den Folgen extremer Hitze besonders betroffen. Lernen ist aus gesundheitlicher und pädagogischer Sicht bei hohen Raumtemperaturen deutlich erschwert. Schulen und Kitas müssen daher die Möglichkeit erhalten, ihre Räume auf maximal 26 Grad Celsius zu temperieren. Hitzeschutz ist klug und Hitzeschutz macht klug. (...) Bitte bleiben Sie dran.“
Ob die Regierung diese Thematik bei den anstehenden Beratungen zum Schutz von Kinder und Jugendlichen nun explizit ausgreift, ist noch offen. Bisher, so Oberle, steht eine Antwort auf das Schreiben des Bündnisses für Kinder- und Jugendgesundheit noch aus.
Raimund Schmid
Quellen:
1. KLUG - Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit et al. Positionspapier: KindeswohL in der Klimakrise - achten, schützen, gewährleisten. September 2026
2. Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit. Pressemitteilung: Über 80 Organisationen fordern, Kindeswohl zum Maßstab der Klimapolitik zu machen. 10.09.2026
