Kinder mit Autismus können mit Hilfe von Sport ihre Motorik und Körperkontrolle verbessern. Das trifft insbesondere auf Sportarten wie Tai-Chi, Aquatraining, Tischtennis und Trampolinspringen zu. Ein Beleg für Langzeiteffekte steht aber noch aus.
Das hat ein Forschungsteam der Eastern Virginia Medical School in Norfolk jetzt mit Hilfe einer Literaturstudie herausgefunden. Mit einbezogen in die Auswertung wurden elf Studien, davon sechs mit randomisiertem kontrolliertem Design (RCT). Vor allem koordinationsfördernde Sportarten wie das chinesische Tai-Chi und das japanische Kata mit festgelegten Abfolgen von Techniken und Bewegungen wirkten sich in signifikanter Weise positiv auf die motorischen Fähigkeiten aus. Sowohl bei Tai-Chi als auch bei Kata werden Bewegungen trainiert, die verschiedene motorische Systeme anregen. Dabei scheint die Trainingsfrequenz ganz entscheidend zu sein. Eine hohe Frequenz kann zu überraschend schnellen Erfolgen führen. So wurde in der Tai-Chi-Studie der maximale Trainingseffekt bezüglich von Balance und Motorik bei drei einstündigen Sessions pro Woche bereits nach sechs Wochen erreicht. Die Kampftechnik Kata etwa war mit „ausgeprägten, statistisch signifikanten Verbesserungen sowohl der dynamischen als auch der statischen Balance assoziiert,“ hieß es von Seiten der Studienautoren. Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil deutlich mehr als die Hälfte der Kinder mit Autismus mit Gleichgewichtsstörungen, Koordinationsprobleme und gestörte Feinmotorik zu kämpfen haben.
Auch ein strukturiertes Tischtennistrainings führte zu deutlichen Verbesserungen insbesondere bei der Koordination der Arme und der manuellen Geschicklichkeit. Die „Tischtennis-Kinder“ waren die einzige Studie, bei der die Kinder nach Abschluss des Programms über zwölf Wochen weiter beobachtet wurden. Zumindest über diesen Zeitraum war der Effekt bei den Kindern mit Autismus – jedoch auch unter Einbezug von Verzerrungsrisiken – konstant.
Kein Wunder, dass in Zukunft nach Ansicht der Autoren „Studien mit standardisierten Outcomes, longitudinalem Design und längerer Nachbeobachtungszeit“ dringend notwendig sind. Erst dann könne man verlässlich sagen, ob sich mit den genannten Sportarten auf Dauer die Alltagsfunktionen und damit auch die soziale Teilhabe und die Lebensqualität der betroffenen Kinder nachhaltig verbessern lassen.
Raimund Schmid
