Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf chronische Erkrankungen - wie etwa dem Typ-1-Diabetes - aus. Viele Diagnosen werden bei Kindern zu spät gestellt.

Wie Ärzte der Universität Gießen berichten, wurden in Deutschland in den ersten zwei Monaten der Corona-Pandemie vermehrt akute lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung festgestellt, die auf einer verspäteten Diagnose von Typ-1-Diabetes bei jungen Menschen beruhen.

Dr. Clemens Kamrath analysierte mit seinem Team die Daten des deutschen Registers der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation, in dem die Krankheitsverläufe von etwa 90 Prozent aller pädiatrischen Patienten mit Typ-1-Diabetes erfasst sind (JAMA 2020; online 20. Juli). Zwischen dem 13. März 2020 und dem 13. Mai litten 44,7 Prozent der jungen Diabetespatienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits unter einer diabetischen Ketoazidose, während es 2019 und 2018 im selben Zeitraum lediglich 24,5 Prozent gewesen waren bzw. 24,1 Prozent. Kinder unter sechs Jahren waren am meisten von einer Stoffwechselentgleisung gefährdet.

Auch das Risiko für eine schwere diabetische Ketoazidose bei Kindern und Jugendlichen stieg um mehr als ein Drittel: 2020 wurde bei 19,4 Prozent der in diesem Zeitraum erfassten Patienten eine schwere diabetische Ketoazidose festgestellt, 2019 waren es nur 13,9 Prozent, und im Jahr 2018 waren es 12,3 Prozent der Patienten.


KMS/ras