17.03.2010 Prügel in der Kindheit fördern Gewalt im Erwachsenenalter

Wie entsteht eigentlich Zivilcourage? fragte Professor Christian Pfeiffer, Hannover, am Anfang seines Vortrags „Erkennung und Prävention von innerfamiliärer Gewalt“. Denn Zivilcourage als Spiegelbild von Gewalt sei eigentlich viel schwieriger zu erforschen. Hilfreich war hier die Judenretterforschung in den 70er Jahren. Sie hat gezeigt, dass „gewaltfreie Erziehung den aufrechten Gang fördert, liebevolle Erziehung Empathie entstehen lässt und Gleichrangigkeit der Eltern das Wertebewusstsein bei Kindern fördert. Nächstenliebe wird offenbar sozial vererbt“, so der Experte vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen E. V..
Warum Menschen gewalttätig werden, und wie sich innerfamiliäre Gewalt auswirkt, dazu wurde in den letzten Jahren viel geforscht. Erfreulich: „Seit Beginn unserer Forschung 1998 nimmt die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland deutlich ab. Am zähesten hält sich das Misshandeln. Der Anteil derer, die völlig gewaltfrei erzogen werden, ist gestiegen. Insgesamt sind wir auf einem guten Kurs.“ Zu dieser positiven Entwicklung haben laut Pfeiffer zwei Dinge beigetragen: Im Januar 2000 wurde das elterliche Züchtigungsrecht abgeschafft und zwei Jahre später kam das Gewaltschutzgesetz.
Prügel steigern Gier nach Waffen
Die Forschung hat weiterhin gezeigt: „Je mehr Kinder in der Kindheit geprügelt werden, desto mehr gieren sie später nach Waffen, um Ohnmachtsgefühle aus der Kindheit zu kompensieren. Je mehr Menschen geprügelt werden, desto mehr sind sie für rigide Strafen. Kriegerische Staaten sind Staaten, in denen Kinder massiv geprügelt werden.“
Betrachtet man die Szene der innerfamiliären Gewalt, so fällt auf, „dass am wenigsten in den deutschen Familien geprügelt wird“, so Pfeiffer. „Wir haben Misshandlungen bei 6 Prozent der Kinder. Bei den türkischen Familien sind es rund 18 Prozent, auch im islamischen Kulturkreis ist die Rate sehr hoch.“
Weg mit dem elterlichen Züchtigungsrecht
Interessante Erkenntnisse liefert laut Pfeiffer auch die Hirnforschung. Demnach haben Kinder, die in der Kindheit massiv geschlagen werden, ein verzögertes Hirnwachstum. Das plastische Hirn gedeiht am besten in einem harmonischen Umfeld. Wenn die Gewalterfahrung weitgehend auf die Kindheit begrenzt bleibt und sich nicht ins Jugendalter fortsetzt, dann gibt es gewisse Erholungseffekte, das Hirn wächst wieder. Gewalt muss also möglichst schnell unterbrochen werden.
Fazit von Pfeiffer: „Wenn wir einen friedlichen Erball wollen, ist es ein wichtiger Schritt, das elterliche Züchtigungsrecht weltweit abzuschaffen und sicherzustellen, dass das in der Praxis auch umgesetzt wird!“
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