11.03.2010 Internet und Impfen: Aufklären statt erschrecken

Auf dem „Forum Kinderärztliche Praxis“ drehte sich alles um die Prävention. So gab es Antworten darauf, wie Pädiater der Impfmüdigkeit begegnen können.

Am 27. Februar war es soweit: Die Kinderärztliche Praxis startete in Mainz ihre neue Fortbildungsreihe „Forum Kinderärztliche Praxis“ mit dem Titel „1. Präventionstag Pädiatrie“. Veranstalter war der Kirchheim-Verlag in Mainz, Herausgeber der Kinderärztlichen Praxis und zuletzt zur beliebtesten Fachzeitschrift unter Pädiatern gekürt.

Im Mittelpunkt standen Infektionskrankheiten, psychomotorische Entwicklungsstörungen und Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Auf der gut besuchten Veranstaltung trafen sich Pädiater mit ihren Teams, Physiotherapeuten, Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Heilpädagogischen Zentren, Kinderbetreuungseinrichtungen und viele andere. Für alle Disziplinen gab es interessante Informationen - und es wurde lebhaft diskutiert.

Impfkritische Seiten fördern Impfmüdigkeit
Dr. Cornelia Betsch aus Erfurt stellte beispielsweise aktuelle Erkenntnisse zum Thema „Internet und Impfen“ vor. „Eltern finden neben neutralen Seiten zum Impfen oder Seiten von Pharmafirmen auch Seiten von Impfkritikern im Netz. Die Impfgegner sind eine kleine, aber sehr lautstarke Gruppe, die sehr leicht im Internet zu finden sind.“ Schulmediziner sagen ja zum Impfen, Kritiker sagen lieber Nein.

Daraus ergibt sich eine große Verunsicherung bei den Eltern. Wie Untersuchungen zeigen, steigern der Besuch impfkritischer Seiten und Berichte über Einzelfälle von Impfschäden die Risikowahrnehmung und senken die Impfbereitschaft, so die Referentin. Eine Impfung auszulassen, werde schließlich als weniger riskant empfunden als die Impfung selbst.

Versucht man im Internet durch Furcht-Appelle wie „Masern können zu geistiger Behinderung führen“ für die Impfung zu werben, sinkt die Impfneigung noch weiter. Günstiger sind laut Betsch Präventions-Appelle wie „Kommen Sie den Masern zuvor“ und aufklärende statt erschreckende Informationen. Was Kinderärzte laut Betsch tun können:

  1. Empfehlen Sie neutrale Seiten (z. B. der BzgA, www.kindergesundheit-info.de/impfungen).
  2. Stellen Sie Informationen aus unabhängigen Quellen zur Verfügung.
  3. Verschweigen oder verleugnen Sie Risiken nicht, sondern relativieren Sie sie.


Einen ausführlichen Bericht über das erste „Forum Kinderärztliche Praxis“ finden Sie in einer der nächsten Ausgaben unserer Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“.

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